Die Pläne des rot-grün-roten Senats für den sogenannten „Wohnpark Oberneuland“ stoßen in unserem Stadtteil auf erhebliche Kritik. In der Baudeputation habe ich den Bebauungsplan 2577 sowie die 38. Änderung des Flächennutzungsplans abgelehnt – aus guten Gründen.
Das größte Wohnungsbauprojekt der Stadt – ohne Ausgleich am falschen Ort
Geplant ist auf rund 15 Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Landschaftsschutzgebiet „Achterdiek“ der Bau von bis zu 700 Wohnungen, davon mindestens 30 Prozent sozial gefördert. Das Projekt wird als Pilot für schnelleres und günstigeres Bauen verkauft. Was dabei jedoch völlig aus dem Blick gerät, ist eine nachhaltige Stadtteilentwicklung.

Wir reden hier nicht über irgendeine Fläche, sondern über wertvolles Ackerland mit hoher Bedeutung für Frischluft, Klima und Biodiversität. Gleichzeitig soll eine historisch und ökologisch prägende vierreihige Baumallee an der Franz-Schütte-Allee gefällt werden – obwohl alternative Erschließungen nie ernsthaft geprüft wurden.
Bürgerbeteiligung darf kein Feigenblatt sein
Gemeinsam mit dem Beirat Oberneuland haben wir über Monate konkrete Vorschläge erarbeitet:
- eine harmonische Einbindung des Quartiers in den Stadtteil,
- der Ausbau der Infrastruktur,
- der Schutz der Baumallee,
- verlässliche Zusagen für Schulen, Kitas und Verkehr.
Nichts davon findet sich verbindlich in den vorgelegten Plänen wieder. Die Einwände des Beirats wurden ignoriert. Die Bürger- und Beiratsbeteiligung wirkte eher wie eine Pflichtübung als wie ernst gemeinte Mitwirkung.
Ein Quartier ohne Infrastruktur ist verantwortungslos

Besonders problematisch ist die fehlende Infrastrukturplanung. Für ein neues Quartier mit rund 2.000 bis 2.200 zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohnern gibt es:
- keine neue Grundschule
- keine neue Kita
- keine verbindliche ÖPNV-Anbindung
- keine Klarheit zur Finanzierung von Straßen, Radwegen oder Verkehr
Teilweise widersprechen sich sogar die Ressorts gegenseitig bei der Bedarfsfeststellung. Ein neues Wohngebiet dieser Größenordnung ohne gesicherte Infrastruktur zu planen, ist aus meiner Sicht nicht verantwortbar.
Klare Forderungen aus dem Stadtteil
Der Beirat Oberneuland hat im Mai einstimmig einen umfassenden Antrag beschlossen. Gefordert werden unter anderem:
- eine umweltfreundliche Erschließung ohne Zerstörung der Baumallee
- bessere ÖPNV-Anbindung (Schnellbus, Linienführung, Taktung)
- Neubau von Kita und Grundschule sowie Ausbau der Oberschule Rockwinkel
- generationsübergreifendes und barrierefreies Wohnen
- Schutz und Ausgleich für landwirtschaftliche Flächen
- eine Rettungswache und eine neue freiwillige Feuerwehr
All diese Punkte zeigen: Oberneuland braucht keine isolierte Siedlung, sondern eine integrierte, zukunftsfähige Entwicklung.
Wohnungsbau ja – aber sinnvoll und nachhaltig
Ich bin ausdrücklich für mehr Wohnungsbau. Aber er muss flächensparend und intelligent erfolgen. In Bremen gibt es zahlreiche Brach- und Konversionsflächen mit bestehender Infrastruktur – etwa in Hemelingen, Sebaldsbrück oder auf dem ROHAG-Gelände in Oberneuland. Diese Flächen müssen endlich priorisiert werden, bevor Landschaftsschutzgebiete versiegelt werden.
Wie es weitergeht
Der Beschluss der Deputation ist nicht das Ende. Der Flächennutzungsplan muss noch durch die Bürgerschaft, weitere Planungsschritte stehen an. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Klimaziele eingehalten werden, Infrastruktur nicht nachträglich „mitgedacht“ wird und Oberneuland kein Experimentierfeld für unausgereifte Projekte wird.
Unser Stadtteil verdient eine Entwicklung mit Augenmaß – sozial ausgewogen, ökologisch verantwortbar und ehrlich gegenüber den Menschen vor Ort.
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