Bremen, Digitalisierung | 4. Februar 2026

Ransomware als reale Bedrohung: Warum Bremens öffentliche IT jetzt auf den Prüfstand gehört

Cyberangriffe sind in Bremen keine abstrakte Bedrohung mehr. Nach einem bekannten Ransomware-Angriff auf ein großes…

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Ransomware Angriffe in Bremen

Cyberangriffe sind in Bremen keine abstrakte Bedrohung mehr. Nach einem bekannten Ransomware-Angriff auf ein großes Unternehmen in der Stadt ist nun auch ein städtischer Eigenbetrieb unmittelbar betroffen: die Werkstatt Bremen.

Nach übereinstimmenden Medienberichten kam es dort zu einem Cyberangriff mit Erpressungssoftware (Ransomware). Infolge des Angriffs waren IT-Systeme betroffen, die auch von der Polizei genutzt werden. Zum Ablauf des Angriffs, zu möglichen Tätern oder zu einem etwaigen Datenabfluss liegen derzeit keine weitergehenden öffentlichen Informationen vor.

Fest steht jedoch: Der Vorfall hatte Auswirkungen über den Eigenbetrieb hinaus.

Wenn Eigenbetriebe angegriffen werden, ist staatliche Handlungsfähigkeit betroffen

Simon Zeimke im Interview mit Buten un Binnen
Simon Zeimke im Interview mit Buten un Binnen

Die Werkstatt Bremen erfüllt zentrale Aufgaben in den Bereichen Beschäftigung, Teilhabe und Qualifizierung. Ein erfolgreicher Cyberangriff auf einen solchen Eigenbetrieb ist daher kein isolierter IT-Vorfall. Er betrifft Abläufe, Arbeitsfähigkeit und – wie dieser Fall zeigt – auch staatliche Stellen, die auf die IT-Infrastruktur angewiesen sind.

Dass die Beweismittelstelle der Polizei betroffen war, macht die Dimension des Angriffs deutlich. Cyberangriffe können heute unmittelbar die Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen berühren – ohne dass diese selbst primäres Angriffsziel sein müssen.

Vorbereitung entscheidet über Resilienz – nicht der Angriff selbst

Ob ein Cyberangriff beherrschbar bleibt, entscheidet sich nicht am Tag des Angriffs, sondern in der Vorbereitung:

  • klare Notfall- und Wiederanlaufpläne,
  • saubere Trennung von Systemen,
  • aktuelle Sicherheitsstandards, r
  • egelmäßige Überprüfungen und realistische Übungen.

Der Lagebericht des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weist seit Jahren darauf hin, dass Ransomware-Angriffe zunehmen, professioneller werden und gezielt auch öffentliche Einrichtungen treffen. Gerade Organisationen mit komplexen Strukturen und vielen Schnittstellen gelten als besonders verwundbar.

Der Angriff auf die Werkstatt Bremen bestätigt diese Einschätzung auf lokaler Ebene.

Transparenz ist Voraussetzung für Lernen – nicht für Schuldzuweisung

Zum konkreten Vorfall bei der Werkstatt Bremen sind bislang nur begrenzte Informationen öffentlich. Das ist in laufenden Lagen nicht ungewöhnlich. Gleichzeitig gilt: Öffentliche Einrichtungen müssen aus solchen Vorfällen systematisch lernen.

Dazu gehört die politische Klärung in einem Post-Mortem Bericht,

  • welche Systeme betroffen waren,
  • welche Schutzmechanismen gegriffen haben,
  • wo es Schwachstellen gab
  • und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

Nicht um Schuldige zu suchen – sondern um die Resilienz der öffentlichen IT insgesamt zu erhöhen.

Cyber-Sicherheit ist Führungsaufgabe und Teil innerer Sicherheit

Der aktuelle Fall zeigt deutlich: Cyber-Sicherheit ist kein reines IT-Thema und keine nachgeordnete Verwaltungsfrage. Sie ist Führungsaufgabe – und Teil der inneren Sicherheit.

Wenn Cyberangriffe Auswirkungen auf Eigenbetriebe und Polizeisysteme haben können, dann muss der Schutz öffentlicher IT als kritische Infrastruktur verstanden werden. Dazu gehören klare Standards, ausreichende Ressourcen, abgestimmte Zuständigkeiten und eine realistische Bewertung der Bedrohungslage. Der Senat muss die Gefahr von Cyberangriffen endlich ernst nehmen!

Der Angriff ist ein ernstes Warnsignal – jetzt konsequent handeln

Der Cyberangriff auf die Werkstatt Bremen ist ein ernstes Warnsignal. Nicht, um Panik zu erzeugen, sondern um strukturiert nachzuschärfen. Cyberangriffe werden auch künftig Realität bleiben. Entscheidend ist, ob Bremen daraus lernt – und ob öffentliche IT so aufgestellt ist, dass sie auch unter Druck handlungsfähig bleibt.

Genau darum geht es in der parlamentarischen Anfrage an den Senat, die wir einreichen werden: um Klarheit, Transparenz und konkrete Verbesserungen – bevor der nächste Angriff noch größere Auswirkungen hat.

Simon Zeimke

Simon Zeimke ist Mitglied der Bremischen Bürgerschaft für die CDU Bremen. Er ist Sprecher für Medien, Digitalisierung, Datenschutz und Informationsfreiheit.

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