Im August 2026 kommt die IJCAI-ECAI nach Bremen, die weltweit renommierteste Konferenz für Künstliche Intelligenz. Mehrere tausend Fachleute, Workshops und Tutorials, die sich ausdrücklich nicht nur an IT-Experten richten, sondern auch an Schüler, Studierende, Unternehmen und politische Entscheider. Für den Standort ist das eine Chance, wie sie sich nicht jedes Jahrzehnt bietet. Die Frage ist nur, was die KI-Welt vorfindet, wenn sie hier ankommt.

Bei der Forschung ist die Antwort erfreulich. DFKI mit dem Robotics Innovation Center, TZI, BIBA, MEVIS, BIPS, das Zentrum für Industriemathematik – anwendungsnahe Spitzenforschung mit internationaler Strahlkraft und einer überdurchschnittlich hohen Drittmittelquote, in einem Haushaltsnotlageland alles andere als selbstverständlich. Bei allem, was danach kommt, wird es dünn. Im Bitkom Länderindex 2026 landet Bremen mit 60,6 Punkten auf einem mittleren 7. Platz, bei „Governance & Verwaltung” auf Platz 11 und bei „Digitale Gesellschaft” auf dem letzten Platz. Erst 39 Prozent der OZG-Leistungen sind flächendeckend umgesetzt. Fünf KI-Start-ups gibt es im Land, rund 0,5 Prozent aller deutschen KI-Gründungen. Die Landesförderung für das DFKI hat der Senat von 2,9 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 2,4 Millionen Euro zurückgefahren, festgeschrieben bis 2027 – und das bei einem Drittelmodell, in dem jeder zusätzliche Landeseuro das Potenzial hat, zwei weitere Euro an Drittmitteln nach Bremen zu holen.

Am deutlichsten wird die Lücke bei der Infrastruktur. Nach einer Bitkom-Studie sollen sich die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 nahezu verdoppeln, die KI-spezifischen sogar vervierfachen. Bremen partizipiert daran derzeit nicht – obwohl der Standort Trümpfe hat: Nähe zu windstarken Küstenregionen und damit grünen Strom, verfügbare Hafen-, Industrie- und Konversionsflächen, ein Fernwärmenetz zur wirtschaftlichen Abwärmenutzung, kurze Wege zwischen Verwaltung, Netzbetreibern und Wirtschaftsförderung. Was bremst, sind kurzfristig weniger fehlende Erzeugungskapazitäten als fehlende Netzanschlüsse, nicht ausgewiesene Flächen und die Dauer von Genehmigungsverfahren. Über diese Hebel entscheidet das Land selbst.

Unser Positionspapier benennt fünf Handlungsfelder – Wirtschaft und Arbeitswelt, Bildung und Wissenschaft, Gesundheit und Prävention, Verwaltung sowie Regulierung – und mündet in zehn Kernforderungen. Die wichtigsten:

Wir halten die KI-Revolution für eine Chance und sind bei den Risiken trotzdem nicht blauäugig. Beides zusammen geht nur mit einer Strategie, die diesen Namen verdient – und da liegt Bremens eigentliches Problem. Die KI-Strategie des Landes stammt aus dem Herbst 2020. Die KI-Strategie für die öffentliche Verwaltung wurde im August 2024 per Memorandum of Understanding mit der Universität angestoßen und liegt bis heute nicht final vor. Zwei Jahre für ein Papier, in einem Feld, das sich alle sechs Monate neu sortiert. Die IJCAI-ECAI wird vorbeigehen, die Delegationen reisen ab, die Pressemitteilungen sind geschrieben. Die Investitionsentscheidungen für die Rechenzentren dieses Jahrzehnts fallen jetzt. Wer bis 2030 nicht auf der Karte steht, steht 2040 auch nicht darauf.