Tag der Deutschen Einheit in Bremen: Drei Tage Gastgeber für ganz Deutschland
36 Jahre Einheit, 80 Jahre CDU Bremen – und ein Wochenende, an dem die Stadt gezeigt hat, was sie kann.
Knapp 400.000 Menschen sind von Freitag bis Sonntag zum Tag der Deutschen Einheit nach Bremen gekommen, so die Bilanz im…

Simon Zeimke
Mitglied der Bremischen Bürgerschaft

Knapp 400.000 Menschen sind von Freitag bis Sonntag zum Tag der Deutschen Einheit nach Bremen gekommen, so die Bilanz im Liveticker von buten un binnen. Ich war an allen drei Tagen unterwegs: bei einer Lesung, im Dom, in der Glocke, auf der Bürgermeile und an einem Brunch-Tisch, an dem wir gleich zwei Geburtstage gefeiert haben.
Los ging es für mich am Freitag mit einer Veranstaltung, deren Titel schon eine Frage stellte: „Zusammen. Gewachsen? Wie Generationen die Deutsche Einheit erleben”. Mit dabei waren Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und die Schriftstellerin Nora Zabel, es gab eine Lesung, eine Diskussion und danach Zeit für Gespräche. Das Fragezeichen hinter „Gewachsen” ist ehrlich. Wer 1990 geboren wurde, ist heute 36 und kennt die Teilung nur aus Erzählungen. Für diese Generation ist die Einheit kein Ereignis, sondern Normalzustand. Das ist ein Erfolg. Es ist aber auch der Grund, warum man sie so leicht für selbstverständlich hält.
Festakt in der Glocke: Bremen als Gastgeber der Einheitsfeier
Der Samstag gehörte dem offiziellen Teil. Erst der Gottesdienst im Dom, dann der Festakt in der Glocke mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz, den Ministerpräsidenten Gordon Schnieder, Daniel Günther und Hendrik Wüst, Staatsminister Philipp Amthor, Bundesminister Carsten Linnemann und vielen weiteren Gästen aus Bund und Ländern.
Steinmeier erinnerte an den 3. Oktober 1990: „Heute vor 36 Jahren war eine tiefe Wunde geheilt.” Und er schob einen Satz nach, der hängen bleibt: „Niemals dürfen wir diesen Moment in Vergessenheit geraten lassen. Dies wäre Verrat.”
Den Satz des Tages hat für mich aber Andreas Bovenschulte gesagt, Bremens Bürgermeister und derzeit Bundesratspräsident: „Demokratie braucht Streit. Aber der politische Gegner ist kein Feind.” Bovenschulte und ich stehen in der Bürgerschaft selten auf derselben Seite. Gerade deshalb unterschreibe ich diesen Satz. Er gilt in beide Richtungen, und er wird im kommenden Jahr noch oft auf die Probe gestellt. Auch sein Blick auf 1989 trifft es: „Die Ostdeutschen waren nicht Zuschauer ihrer Geschichte. Sie haben Geschichte geschrieben.”

Noch am Samstag übergab Bovenschulte den Staffelstab an Nordrhein-Westfalen, die Einheitsfeier 2027 findet in Düsseldorf statt. Hendrik Wüst fand dafür Worte, die man in Bremen gern hört: „Ihr seid ein kleines Land, aber ihr seid riesengroße Gastgeber. Respekt für diesen tollen Tag der Deutschen Einheit.”Danach ging es für mich über die Bürgermeile und die Blaulichtmeile. Rund 300.000 Menschen waren allein an diesem Tag in der Stadt, und man hat es gemerkt. Wiebke Winter sagt dazu: „Das Wochenende hat gezeigt, was möglich ist, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Bremen sollte seine besonderen Orte künftig noch stärker für Veranstaltungen nutzen – vom Domshof über die Schlachte bis zum Osterdeich. Wir können stolz zeigen, was unsere Stadt zu bieten hat – und das sollten wir in Zukunft auch häufiger tun“
Brunch der CDU Bremen-Stadt: 36 Jahre Einheit, 80 Jahre CDU Bremen
Am Sonntag hatten wir als CDU Bremen-Stadt eingeladen, und zwar nicht in einen Saal, sondern mitten auf die Bürgermeile. Das Motto: „Happy Birthday geeintes Deutschland und CDU Bremen”. 36 Jahre Deutsche Einheit und 80 Jahre CDU Bremen fallen in dieses Jahr, und fast 100 Mitglieder haben beides mit uns gefeiert.

Bernd Neumann, Staatsminister a. D., hat von seinen Erfahrungen erzählt. Für die Jüngeren am Tisch war das genau die Brücke, nach der die Veranstaltung am Freitag gefragt hatte: Einheit nicht als Kapitel im Schulbuch, sondern aus dem Mund von jemandem, der dabei war.
Als Kreisgeschäftsführer freut mich besonders, dass sich der Kreisverband dort gezeigt hat, wo an diesem Wochenende die Menschen waren. Auf der Straße, zwischen den Ständen, ansprechbar. Danach bin ich noch einmal losgezogen: über die Medienmeile, zu den Verfassungsorganen und zum Stand der Bundeswehr.
Gewalt am Tag der Deutschen Einheit: Was die Demo in Bremen verfehlt
Zur Bilanz gehört auch der Teil, der nicht ins Bild passt. Am Samstag demonstrierte die kommunistische Gruppe „Roter Bund” gegen „Militarismus und Kriegstreiberei”. Als Teilnehmer eine Deutschlandflagge anzündeten, stoppte die Polizei die Kundgebung. Bei der Feststellung der Personalien griffen Teilnehmer die Beamten an, teils mit Fahnenstangen. Vier Polizisten wurden leicht verletzt, mehrere Personen kamen in Gewahrsam. Zwei weitere, nicht angemeldete Versammlungen löste die Polizei auf.
Demonstrieren darf man in diesem Land gegen fast alles, auch gegen den Feiertag selbst. Das ist kein Versehen, sondern genau die Freiheit, um die es 1989 ging. Die Menschen in Leipzig, Dresden und Ost-Berlin hatten allen Grund zur Wut und riefen trotzdem „Keine Gewalt!”. Sie haben einen Staat zu Fall gebracht, ohne zuzuschlagen. Wer 36 Jahre später auf einer Kundgebung eine Flagge anzündet und Polizisten mit Fahnenstangen angreift, beruft sich auf Rechte, die andere friedlich erkämpft haben, und tritt sie im selben Moment mit Füßen. Als Mitglied im Rechtsausschuss erwarte ich, dass die Angriffe auf die Beamten zügig verfolgt werden.
Wiebke Winter, Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion und Spitzenkandidatin zur Bürgerschaftswahl 2027 findet dazu auch klare Worte: „Diejenigen, die unser Land von rechts oder links spalten wollen, hatten an diesem Wochenende nicht das Sagen. Gerade die Einschüchterungsversuche aus der extremen Linken im Vorfeld sind gescheitert. Stattdessen haben unzählige Menschen friedlich miteinander gefeiert. Das ist ein starkes Zeichen für unsere Demokratie und die politische Mitte.“

Rund 4.000 Sicherheitskräfte waren an diesem Wochenende im Einsatz. Innensenatorin Eva Högl hat am Sonntag gesagt: „Wir waren sehr gut vorbereitet. Und ich kann heute schon sagen, dass es gut gelungen ist und wir ein nicht nur fröhliches, sondern auch sicheres Fest hatten.” Dass das so ist, verdanken wir den Frauen und Männern in Uniform, die drei Tage lang den Kopf hingehalten haben.
Benjamin Piel hat es im Weser-Kurier auf zwei Worte gebracht: „Bravo, Bremen!” Das Bild, das von diesem Wochenende bleibt, ist nicht die brennende Flagge. Es sind knapp 400.000 Menschen, die durch eine Stadt gelaufen sind, die sich viel vorgenommen und es geschafft hat. Bremen sollte sich dieses Selbstvertrauen bewahren. Eine Stadt, die ein Fest für ganz Deutschland stemmen kann, muss sich auch im Alltag nicht kleiner machen, als sie ist.