Dünger, Herbizid, Pestizid - Hauptsache es klingt gefährlich | Simon Zeimke

Dünger, Herbizid, Pestizid – Hauptsache es klingt gefährlich


SPD Bundestagsfraktion bezeichnet Glyphosat als Düngemittel

Glyphosat ist heute ja in aller Munde. Also bildlich gesprochen. Ein Verbot wird in interessierten Kreisen ja schon länger forciert, spätestens seit das IARC (Internationale Behörde für Krebsforschung, eine Unterorganisation der WHO) diesen Stoff als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat. Die große Aufregung dieser Tage kommt daher, dass andere Studien eben anderes sagen.

Das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Agentur für Verbraucherschutz (EFSA) halten Glyphosat – bei ordnungsgemäßer Anwendung – nicht für krebserregend. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt ein gemeinsamer Ausschuss der Weltgesundheitsorgansation (WHO) und der Welt-Ernährungsorganisation (FAO). Dieser Ausschuss stuft Glyphosat als wahrscheinlich nicht krebserregend ein. Puh. Das ficht die Gegner aber nicht an.

Hysterie statt sachlichen Argumenten

SPD Bundestagsfraktion bezeichnet Glyphosat als DüngemittelNatürlich gibt es Gründe für und gegen Glyphosat. Keine Frage. Aber die Diskussion hat hysterische Ausmaße angenommen und ist nicht mehr zwingend sachlich. Deutlich wurde das heute durch eine Pressemeldung der SPD Bundestagsfraktion, die auch auf Twitter geteilt wurde.  Dort hieß es:

„Wir bleiben dabei: Beim umstrittenen Düngemittel #Glyphosat gilt für uns das Vorsorgeprinzip, erklärt @utevogt“

Verlinkt wurde auf eine Pressemitteilung der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD Bundestagsfraktion, Ute Vogt. Auch inder Pressemitteilung wurde von Düngemittel gesprochen. Dass Glyphosat kein Düngemittel sondern ein Herbizid ist, scheint der SPD und Ute Vogt egal zu sein. Tweet und Artikel wurden mittlerweile korrigiert (Screenshot des original Artikels). Pflichtbewusst hat die Online Redaktion der SPD Bundestagsfraktion die Schuld an der Verwechselung auch direkt auf sich genommen. Löblich, aber irrelevant.

Was ist alles potentiell gesundheitsschädlich?

Irrelevant, weil ein zweiter Satz in der Pressemitteilung hellhörig machen sollte:

„Denn für uns gilt das Vorsorgeprinzip, wonach nur zugelassen werden darf, was zweifelsfrei nicht gesundheitsschädlich ist.“

Was ist denn in unserer Welt eigentlich „zweifelsfrei nicht gesundheitsschädlich“? Diese Liste dürfte reichlich kurz werden. Zu viel Sport kann gesundheitsschädlich sein. Zu wenig Schlaf ebenfalls. Doch bleiben wir bei „wahrscheinlich krebserregenden“ Stoffen, die vom IARC eingestuft wurden. Diese Liste ist wirklich interessant und es stellt sich die Frage, ob die SPD auch hier tätig werden will. Ganz treu dem Vorsorgeprinzip ergeben. Ein Blick auf die Liste des IARC zeigt ganz interessante „wahrscheinlich krebserregende“ Stoffe:

  • eingelegtes Gemüse (aber nur traditionell asiatisch),
  • Trockenreinigung,
  • gesalzener Fisch, chinesischer Art,
  • rotes Fleisch,
  • Alkohol,
  • Zimmerei und Schreinerei,
  • Textilverarbeitung,
  • Biomasse-Brennstoff,
  • braten/frittieren,
  • Sonnenbänke (ultraviolet)
  • Merkelzell-Polyomavirus,
  • Schichtarbeit mit zirkadianen Störungen
  • Sonnenstrahlung
  • Holzspähne

Puh, da hat die SPD Bundestagsfraktion aber noch eine Menge zu tun, wenn sie sich voll und ganz dem Vorsorgeprinzip verschreiben möchte. Eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht und kann es auch nicht geben.

SPD kritisiert die Wissenschaft für wissenschaftliche Methoden

Und noch eine Aussage in der Pressemitteilung stimmt nachdenklich. Ja, es gibt unterschiedliche Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen zu Glyphosat. Das ist erstmal nicht ungewöhnliches. Die SPD und Ute Vogt bezeichnen das als „wissenschaftlichen Verunsicherungs-Debatten“. Sie ignorieren den Umstand, dass die Studien mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen und Zielsetzungen durchgeführt wurden. Während das IARC die grundsätzliche Fähigkeit eines Stoffes oder einer Substanz Krebs auszulösen untersucht, beschäftigt sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit der Frage, ob bei normalem Gebrauch im Alltag mit zusätzlichen Krebsfällen zu rechnen ist. Das ist etwas vollkommen anderes.

Wahrscheinlich ist Schrödingers Katze für Frau Vogt auch eine „wissenschaftliche Verunsicherungs-Debatte“ – wie kann denn eine Katze auch gleichzeitig tot und lebendig sein. Die hysterisch geführte Debatte führt aus meiner Sicht zur Verunsicherung. Ideologie statt Argumente kann nicht die Lösung sein.

 

 

 

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