Unter dem Motto „Die Polizei – Dein Feind und Sündenbock?“ hat die JU Bremen mit dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke, über die aktuelle Situation der Polizei in Bremen diskutiert. Eine extrem sinnvolle Veranstaltung.

Fundierte Einführung in das Thema

Jochen Kopelke von der Gewerkschaft der Polizei

Jochen Kopelke bei seinem Einführungsreferat

Herr Kopelke hat in einem kurzen Eingangsreferat die Grundlagen für die folgende Diskussion gelegt. Insbesondere stand die Frage im Raum, ob die Politik in Bremen die Polizei kaputt gespart hat.

Fundiert zeigte der Vorsitzende der GdP die Situation der Polizei in Bremen auf. Mit knapp 2.500 Polizisten ist man in Bremen am unteren Ende der Skala angelangt. Die Einstellungspolitik der Vergangenheit führe jetzt zu immer größeren Problemen.

Pro Jahr werde die Polizei ungefähr 200.000 mal angerufen, daraus resultieren ungefähr 110.000 Einsätze (in 2015). Die Zahl der Einsätze, die die Beamten der Polizei fahren müssen, steige kontinuierlich, berichtete Kopelke. In 2015 seien ungefähr 10.000 Einsätze mehr absolviert worden, als noch 2014. Doch nicht nur die reine Anzahl an Einsätzen führt zu einer stärkeren Belastung der Polizei, auch die Art der Einsätze verschiebe sich immer weiter zu sogenannten Kategorie 1 Einsätzen. Bei diesen ist die Ausrückzeit 8 Minuten, es besteht also akuter Handlungsbedarf. Hinzu kommt, dass Einsätze immer länger dauern und immer mehr Personal binden.

Überstunden ein Ergebnis schlechter Personalpolitik

Zusammen mit der Einstellungspolitik führe das dazu, dass jeder Polizeibeamte im Schnitt 150 Überstunden mit sich herumtrage. Dabei stellte Jochen Kopelke heraus, dass jedem Polizisten klar ist, dass Überstunden zum Beruf gehören. Doch es fehlen in Bremen auch die ruhigeren Zeiten, in denen Überstunden auch wieder abgebaut werden könnten.

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Eine reine finanzielle Abgeltung der Überstunden halte er aber nicht für sinnvoll, so Kopelke. Dafür seien circa 7.000.000€ notwendig. Der Effekt wäre aber gleich null, da sofort neue Überstunden aufgebaut würden. Um den Berg von über 300.000 Überstunden zu reduzieren helfe nur mehr Personal.

Ausbildung der Polizei schlecht organisiert

JU-Bremen-Diskussion-GdPIm Vergleich zu anderen Ländern sei Bremen noch schlecht beim Thema „Neueinstellungen“ aufgestellt. Während andere Bundesländer zwei Einstellungstermine hätten, gäbe es in Bremen nur einen. Das führt dazu, dass die Ausbildung der Polizisten in Bremen im Herbst beendet sei, aber in anderen Bundesländern im Frühjahr und im Herbst neue Polizeibeamte den Personalbestand aufstocken. Der Effekt ist klar: Während das ganze Jahr über Beamte pensioniert werden, kommen neue Beamte nur einmal im Jahr.

Verschiebung der Einsatzschwerpunkte

Die starke Belastung der Polizei in personeller Hinsicht führe im Endeffekt auch dazu, dass mittlerweile bei der Kriminalpolizei über 8.000 Akten nicht bearbeitet werden. „Dahinter stehen mindestens 8.000 Schicksale, die noch nicht einmal eine Einstellung des Verfahrens erwarten können“, so Kopelke.

Erschwert wird das Problem durch eine Verschiebung von Einsatzschwerpunkten. Als Beispiele nannte der Gewerkschaftsvorsitzende unter anderem die Absicherung der Bundesliga und Hochrisikospielen, Demonstrationen und die Terrorismusgefahr. Auch nannte er das rot-grüne Klientel-Projekt „autofreier Sonntag“. All das binde Ressourcen, die an anderer Stelle abgezogen würden.

Auf die Frage, ob die Politik in Bremen die Polizei kaputt gespart habe, gab es von Kopelke ein klares Ja. Aus Sicht der Gewerkschaft müssten mindesten 20.000.000€ mehr für die Polizei bereitgestellt werden.

Begeisterung für den Beruf

Doch neben den ganzen Problemen zeigten sich Kopelke und andere Polizisten den ca. 50 Zuhörern als begeisterte und leidenschaftliche Polizisten. Alle berichteten davon, wie viel Spaß ihnen dieser Beruf macht – trotz aller Widrigkeiten. Kein Wunder, dass die Anwesenden Polizisten dafür warben, sich bei der Polizei zu bewerben.