Tag Archives: VW

Wiedeking geht – Porsche kommt…

23 Jul

Wiedeking geht – Porsche kommt…

508173950 6ff5d782e4 m … in den VW Konzern. Am Freitag wurde es noch heftig dementiert – aber auch die Ablösung von Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef ist anscheinend beschlossene Sache. Auch wenn der Aufsichtsrat noch nicht abschließend darüber beraten haben, so sind sich wohl die Eigentümer einig.

Die Ablösung von Wiedeking hat nun Spekulationen, um die mögliche Abfindung hervorgerufen. Der Manager hat schon in den letzten Jahren mit einem Spitzengehalt von sich reden gemacht. 2007 soll er 60 Millionen Euro kassiert haben, 2008 sollen es gar 100 Millionen gewesen sein. Möglich machte das ein extrem hoher erfolgsabhängiger Vergütungsteil. Nun wird über eine Rekord-Abfindung von bis zu 250 Millionen Euro spekuliert. Die Stuttgarter Nachrichten berichten aus Aufsichtsratskreisen, dass man eine schnelle Trennung wolle und dafür auch bereit sei viel Geld in die Hand zu nehmen. Wiedekings Vertrag läuft noch bis 2012.

Das ruft natürlich direkt auch Neid und Missgunst hervor. Doch wir haben keine Staatswirtschaft, die Eigentümer entscheiden über die Abfindung. Und das ist auch gut so. Wiedeking zählt nicht umsonst zu den Top-Managern in Deutschland und Europa. Wenn er nicht sogar der Top-Manager ist. Und noch redet man über ungelegte Eier – nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten soll erst am Donnerstag endgültig entschieden werden.

Am Mittwoch wurde jedoch eine Kapitalerhöhung über 5 Milliarden Euro beschlossen. Das geht aus einer Pflichtmitteilung hervor und gilt damit als sicher. Damit wäre die Vorraussetzung für die Integration in den VW Konzern geschaffen. Der VW-Aufsichtsrat könnte schon am Donnerstag über die Übernahme von Porsche entscheiden. Damit würde der Konzern auf zehn Marken anwachsen und könnte seine Spitzenstellung in Europa und der Welt weiter ausbauen.

Ursprünglich wollte Porsche den wesentlich größeren VW-Konzern schlucken. Doch aufgrund von Finanzproblemen und Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 10 Milliarden Euro hat Porsche sich bei dem Vorhaben regelrecht verschluckt.

Alleine ist Porsche damit nicht, denken wir doch nur zurück an Schaeffler und die Übernahme von Continental

Update: Der Artikel wurde bereits von Mittwoch auf Donnerstag geschrieben und am Donnerstag veröffentlich. Wiedeking lässt durch seinen Anwalt mitteilen, dass er zu keinem Zeitpunkt eine Abfindung von 260 Millionen Euro gefordert habe. Am Ende erhielt er eine Abfindung in Höhe von 50 Millionen Euro, von denen er anscheinend 25 Millionen in eine zu gründende Stiftung für Porsche Mitarbeiter geben will.

cc photo credit: thEOS.

Porsche: Einigung im Übernahmepoker

18 Jul

Porsche: Einigung im Übernahmepoker

1526061784 f35776538f m Vor ein paar Monaten dachte man noch “Huch, da wedelt der Schwanz mit dem Hund”. Der kleine Sportwagenhersteller wollte den größten Automobilhersteller übernehmen. Durch die Porsche-Sekulationen mit den VW Aktien stiegen diese zeitweise auf einen Rekordwert von über 1000 Euro, somit war VW kurzzeitig das teuerste Unternehmen der Welt.

Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Die Aktien stiegen ins Unermessliche und Porsche bekam Probleme damit seine Aktienoptionen zu ziehen. Schulden wurden aufgetürmt.

Über einen Einstieg Katars bei Porsche wurde gemutmaßt. Doch dieser Einstieg wurde von vielen Seitten in Zweifel gezogen. Mittlerweile scheint sich jedoch eine Lösung abzuzeichnen. Der Spiegel berichtet, dass Porsche wohl als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden soll. Dies soll in zwei Schritten passieren. In einem  ersten Schritt übernimmt VW 49,9 Prozent der Porsche Anteile. Dies könnte der Porsche Holding 8 Milliarden Euro einbringen – der größte Teil des Schuldenbergs könnte abgetragen werden.  Laut FTD belaufen sich die Porsche-Verbindlichkeiten auf über 10 Milliarden Euro.

An einem vereinten VW-Porsche Konzern würden die Familien Piech und Porsche 50 Prozent halten, das Land Niedersachsen weiterhin 20 Prozent. Und auch das Emirat Katar spielt in diesem Szenario eine Rolle. Es würde zwischen 14,9 und 19,9 Prozent der Anteile halten. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff steht hinter diesem Plan. Sollte Katar 20% des Aktien halten, hätte es auf Grund des VW-Gesetzes ebenso eine Sperrminorität wie VW. Probleme damit hat Wulff nicht:

“Das VW-Gesetz ist keines ausschließlich für Niedersachsen. Wer 20% hat, hat eine Sperrminorität.”

Die Zukunft von Porsche-Chef Wiedeking ist derweil noch ungewiss. Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass dieser das  Unternehmen verlassen wird. Ihm könnte dann eine Rekord-Abfindung von bis zu 100 Millionen Euro gezahlt werden. Die Spekulationen um Wiedeking wies der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche zurück. Auch der stellvertrende Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dementierte die Berichte:

“Wiedeking ist Vorstandschef, und er wird es bleiben.”

Nachfolger von Wiedeking könnte der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht werden – berichtet die Wirtschaftswoche.

cc photo credit: ChrisMRichards

Dies und Das #13 – ein kleiner Nachrichtenüberblick

17 Jul

featured_herzen

75x75 kompass David gegen Goliath oder wie es modern heißt “Porsche vs. VW”, Auflösungserscheinungen in Schleswig-Holstein, gebrochene Handgelenke, tote Musiker, Parteitage und Beitritte. Viel los in der Welt also…

Was mich so interessiert hat, was ich gelesen und was ich überflogen habe:

Wer brauch noch Geld? Bitte melden!

1 Jun

Wer brauch noch Geld? Bitte melden!

3323630328 d435ccbf7d m Ein Damm ist gebrochen! Nein es droht keine Sturmflut, die Deiche sind sicher. In der Wirtschaftspolitik ist ein Damm gebrochen – die Ordnungspolitik wurde zu Grabe getragen.

Opel wird mit einer Bürgschaft für einen Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gerettet und kann deshalb vom österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna übernommen werden. Die Arbeitsplätze sind also gerettet: JUHU! Damit kostet jeder der 25.000 Arbeitsplätze den Steuerzahler 300.000 Euro.

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts hatte sich klar für eine Insolvenz ausgesprochen:

“Opel will sich auf Kosten der Allgemeinheit vom Staat retten lassen. Doch den Staat geht das nichts an.”

Und er erklärt weiter:

“Zur Rettung der Banken durch den Staat gab es keine Alternative. Die Geldversorgung ist eine hoheitliche Aufgabe des Staates, bei der die privaten Banken eine wichtige, unverzichtbare Hilfsfunktion ausüben. Mit den Autoherstellern hat der Staat nichts zu schaffen.” 

Und genau das ist der Punkt: Mit unseren Steuern soll die Rettung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens finanziert werden. Befremdlich ist dabei, dass Opel nun nicht zu den erfolgreichsten Automobilherstellern in Deutschland und Europa zählt. Das Unternehmen schwankte immer zwischen Erfolg und Pleite. Mal zahlte man Überschüsse an die GM Zentrale, mal erhielt man Milliarden aus Detroit. Doch die Koalitionäre sind froh – bis auf einen.

Wirtschaftsminister Guttenberg hatte für eine geordnete Insolvenz plädiert. Sicherlich hat er eine Planinsolvenz gemeint. Diese hätte die Chance eröffnet, dass Unternehmen zu sanieren – ohne Steuergelder. Am Ende entscheidet der Konsument, welches Auto er kauft. Wenn der Konsument sich auch in Zukunft eher selten für einen Opel entscheidet, pumpt man dann noch mehr Geld in das System?

Kann sich noch jemand an das Unternehmen Borgward erinnern? Das gibt es schon länger nicht mehr – keiner stört sich dran.

Und noch mehr wollen Geld vom Staat

Doch nun meldet sich noch ein anderes Unternehmen: Arcandor krebst seit langem an der Grenze zur Insolvenz herum. Die Karstadt-Kaufhäuser sind nur bedingt profitabel. Und hier stehen ca. 56.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Werden wir auch hier Steuergelder in ein veraltetes Geschäftsmodell stecken? 

Für die SPD und ihren Vorsitzenden Franz Müntefering scheint hier die Frage schon beantwortet, noch bevor es konkrete Verhandlungen gab:

“Wir müssen da helfen. Die Bürgschaft, um die es da geht, scheint mir notwendig und zukunftsträchtig. Es geht bei Arcandor um viele tausend Arbeitsplätze im wichtigen Dienstleistungssektor – überwiegend von Frauen”

Und auch der Kanzlerkandidat Frank Steinmeier will Punkt bei den Wählern sammeln und das geht am besten mit vollmundigen Versprechen.

Steht es denn wirklich so schlecht um Arcandor? Bei weitem nicht – Geld ist sicherlich genug vorhanden. Ist der Konzern doch im Besitz des Touristikkonzerns Thomas Cook und hat im Hintergrund die Quelle-Erbin Schickedanz (geschätztes Vermögen 3,9 Milliarden $). Nun könnte Arcandor, wenn der Konzern an seine Kaufhauskette glaubt einen Teil der Thomas Cook Beteiligung verkaufen. Oder die Großaktionärin Schickedanz könnte das Eigenkapital aufstocken.

Es mutet schon komisch an, wenn Geld vorhanden ist, aber niemand das Geld in die Hand nehmen will.  Hans Michelbach, Vorsitzender der CSU-Mittelstand-Union findet dafür klare Worte:

“Der Konzern verfügt über sehr vermögende Großaktionäre und sehr werthaltige Aktiva. Die Eigentümer können Arcandor also selbst helfen”

Ob er sich mit dieser Argumentation durchsetzen kann? Ich bezweifle es – denn es ist Wahlkampf. Die Bundesregierung hatte die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) beauftragt Arcandor unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis ist nicht grade überraschend: Die Bürgschaftsübernahme sei mit erheblichen Risiken behaftet.

Ein weiterer Aspekt ist die Wettbewerbsverzerrung. Metro betreit mit Kaufhof einen direkten Konkurrenten zu Karstadt. Ähnlich ist es ja auch bei Opel. Mercedes, VW, BMW bekommen kein Geld vom Staat. Metro auch nicht.

Aber noch etwas ist hierbei interessant. Sowohl Kaufhof, als auch Karstadt haben massive Probleme mit der profitabilität ihrer Kaufhäuser. Und erinnern wir uns: früher haben die Kaufhäuser kleine Fachgeschäfte, kleine Familienunternehmen verdrängt. Dort gab es spezialisierte Fachhändler, die umfassend beraten konnten. Die gibt es immer seltener. Ist eventuell das Geschäftsmodell der großen Konsumtempel am Ende? Schließlich wird der Arcandor Konzern seit Jahren immer und immer wieder saniert. 

Joseph Schumpeter würde es mit “Schöpferischer Zerstörung” beschreiben. Das eine Geschäftsmodell geht nieder, dafür blüht ein neues auf. Warum nicht? Das ist der Lauf der Dinge. Das bedeutet freie Marktwirtschaft: Leistung wird belohnt. Wer gute Ideen hat und den Nachfrager im Blick behält wird dafür belohnt werden. Wer dies nicht tut oder wessen Geschäftsmodell veraltet ist geht Pleite. 

Doch in Zeiten des Wahlkampfes will sich keiner lumpen lassen und alle versprechen Milliarden. Arbeitsplätze retten ist hoch im Kurs in Wahlkampfzeiten. Doch für wie lange werden die Arbeitsplätze gerettet? Man weiß es nicht. 

Also wer will auch ein paar Milliarden aus dem scheinbar gut gefüllten Staatssäckl? Bitte melden!

cc  photo credit: loop_oh

Der erste Uni-Tag

6 Jan

Da sagt der Mann im Radio doch glatt “-10° in Bremen” – wer hat denn da noch Motivation aufzustehen? Unverschämtheit dem inneren Schweinehund so direkt vorschub zu leisten.

Ja, heute ist der erste “echte” Uni-Tag im Jahr 2009. Was steht an? Finanzwissenschaft, Referat, Steuern und Globale Makroökonomie. Ein tolles Programm oder?

Das Referat wird noch ein Spaß werden. “Endogene Wirtschaftsentwicklung in Bremen – Migranten als Unternehmensgründer” ist das Thema. Vielleicht kann die BIG Bremen mir da weiterhelfen. Nina und ich werden das schon reißen.

Ach ja, Porsche hat heute bekannt gegeben etwas mehr als 50% der Aktien des VW-Konzerns zu besitzen. David übernimmt Goliath. Ein Hoch auf das VW-Gesetz.