Vorlesungen sollte man immer Mitschreiben…
30 Okt
17 Jun
Heute war Bildungsstreik in Bremen und auch bundesweit. In Bremen waren wohl ca. 2000 Schüler, Studenten, Lehrer, Erzieher und alle die sonst nichts besseres zu tun hatten auf der Straße. Um 11 Uhr ging es am Bahnhof los.
Nun, ich war einer der sonst nichts besseres zu tun hatte. Da wollte ich doch glatt ein paar Fotos machen. Es dauerte nicht lange und die ersten – meist schulschwänzenden – Demonstranten kamen auf mich zu:
“Ey, was fotografierst du hier rum, bist du Presse oder was?” oder auch “Du darfst mich gar nicht fotografieren…”
Hat mich nicht weiter gestört – war schließlich eine öffentliche Demonstration. Und da ich keine Einzelfotos gemacht habe, sondern lediglich die Demonstration im allgemeinen – so what? ”Transpi”-Träger wollen schließlich, dass ihr Argument in die Welt getragen wird – oder?
Da wären wir auch schon gleich bei einem Punkt der mir auf Demonstrationen immer wieder auffällt: die Sprache! Zum einen harte Reden, die durchaus aufstacheln und gegen-gegen-gegen sind und zum anderen das Verniedlichende: “Transpis” oder auch “Lauti-Wagen”. Sehr spaßig.
Man demonstrierte so vor sich hin. Es muss ungefähr nach einer Stunde Demo gewesen sein, als ich neben mir ein paar Jugendliche bemerkte, die ein solches Transpi hochhielten. Ein schön großes, dass man ihnen vom “Lauti-Wagen” gegeben hatte. Die Kiddies dürften ungefähr 11, 12, 13 Jahre alt gewesen sein. Nun liefen die schon eine stunde mit dem “Transpi” rum und irgendwann wurden sie dann doch neugierig:
“Was steht da eigentlich drauf?”
Ja, was steht da eigentlich drauf? Meine Güte – eine Stunde rennt man mit so einem Ding rum, ohne zu wissen was drauf steht!
Hier und da flogen mal ein paar Eier – meist geworfen von zwei gelangweilten Punks, die ihr Bier schon geleert hatten. Nun traf man nicht den Klassenfeind oder die böse Polizei – sondern die Mitdemonstranten. Naja hauptsache, man hat was gemacht.
Der “schwarze Block” war übrigens auch da – aber diesmal in der Anfänger Version – quasi der “schwarze Juniorblock”. Aber vermummt wie die großen, so standen sie vor dem Bildungssenat. Wo 2003 noch zig Studenten reingestürmt waren und den Laden mal auseinander genommen hatten – ja da standen die Vermummten und wussten nich mehr weiter. Da war das Etablishment so böse und hatte einfach die Schiebetür verschlossen. Gemeinheit sowas. Aber man hatte noch eine Geheimwaffe! Man spielte den fiesen Mitarbeitern des Bildungssenats einfach einen Klingelstreich *hihi* Das haben die davon!
Die Polizei musste sich interessanterweise Sprüche anhören wie:
“Ohne Bildung wirst du Polizist!”
Warum nun die Polizei hier angegangen wurde, wird mir ein Rätsel bleiben. Die hat sich nämlich sehr zurück genommen und weder bei Verstößen gegen das Vermummungsverbot, noch bei Böllern oder Bengalfeuern eingegriffen. Sie hatte alles im Blick und es war eben auch eine sehr ruhige Demo. Natürlich abgesehen von den alten Sprüchen wie
“Wir sind hier, wir sind laut – weil man uns die Bildung klaut” oder “Kostenlose Bildung für alle – sonst gibts Krawalle”
Immer wieder stiegen Menschen auf den “Lauti-Wagen”, um eine Rede zu halten oder ein Grußwort einer ausländischen Uni vorzulesen und simultan übersetzen zu lassen. Die Reden ähnelten sich vom Inhalt sehr stark. Die Studenten hatten meist den Bologna-Prozess, “abgeschaffte” Mittagspausen, Streichung von Professorenstellen in wichtigen Fachbereichen wie Soziale Arbeit oder die Straffung des Studiums zum Inhalt. Die Schüler und Gewerkschafter hatten dann noch die Lehrerbezahlung, Bezahlung der Erzieher, das Abitur nach 12 Jahren und Lehrmittelfreiheit im Blick. Alle jedoch schimpften auf das dreigliedrige Bildungssystem und lobten die Gesamtschule. Man solle doch nur mal nach Skandinavien blicken – dem PISA-Paradies.
Nun ist es ja so, dass in Deutschland der Bildungsabschluss in besonderer Weise davon abhängt aus welchem Elternhaus man stammt. Wichtiger als in jedem anderen europäischen Land. Das muss man ja leider zugeben. Komisch, wo seit den 70er Jahren das Bildungssystem immer und immer wieder in Hinsicht auf Chancengleichheit refomiert wurde. Den Umbau der Bildung hatten sich die 68er auf die Fahnen geschrieben – als Grundstein für einen Gesellschaftsumbau. Doch Chancengleichheit wurde nicht erreicht.
Das Bildungssystem ist unterfinanziert – darin waren sich auch heute alle einig. Die GEW zum Beispiel fordert, die Bildungsausgaben um 30 Milliarden zu erhöhen. Doch reicht es mehr Geld in ein System zu stecken, dass nicht einmal sicherstellt das die Kinder in einem Schuljahr klüger werden? 2006 kam eine PISA-Befragung zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Schüler nach einem Jahr Mathe keine Leistungsfortschritte gemacht haben. Acht Prozent verzeichneten sogar Leistungsabnahmen. Ob da mehr Geld helfen kann ist fraglich. Und das die Deutschen unterdurchschnittlich viel für Bildung ausgeben ist ein Trugschluss. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat errechnet, dass in Deutschland ca. 7000 Euro für einen Lernenden ausgegeben werden. Damit ist Deutschland in der Spitzengruppe – wie auch die OECD bestätigt. Traurig dabei ist, dass wir dieses Geld anscheinend nicht zielgerichtet investieren.
Nun wurde auch heute wieder mit Blick auf die skandinavischen Länder die Einheitsschule propagiert. Na klar, PISA hatte doch gezeigt, wie erfolgreich dieses Bildungssystem ist. Doch ist die Einheitsschule, die auch gerne Gesamtschule genannt wird, wirklich das Allheilmittel? In Nordrhein-Westfalen gibt es 217 Gesamtschulen, mehr als in anderen Bundesländern – die Reformer waren fleißig. Und doch landet NRW bei nationalen und internationalen Vergleichen immer wieder weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Komisch, so dachte man doch, die Gesamtschule würde allen was bringen. Die stärkeren Schüler ziehen die schwächeren mit und alle bringen bessere Leistungen. Und der Blick nach Schweden und Finnland beweist es doch!? Diese Länder sind nicht grade dicht besiedelt – ein mehrgliedriges Schulsystem wäre deshalb unwirtschaftlich. Ob diese Länder mit einem gegliederten Bildungssystem eventuell noch bessere Leistungen bei PISA gebracht hätten – darüber sagt die Studie nichts aus. Norwegen lag übrigens mit seiner Gesamtschule noch hinter Deutschland. Dagegen haben sich die Niederländer mit ihrem gegliederten Schulsystem ebenfalls in der PISA-Spitzengruppe positioniert. Komisch, liegt es vielleicht doch nicht daran wie homogen oder heterogen eine Klasse ist? Und selbst die Gesamtschulen müssen eine Auslese betreiben – es gibt an das Leistungsniveau angepasste Kurse für die Schüler. Dazu sagt Jürgen Baumert, Präsident des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung relativ nüchtern:
“Die Deutschen haben die falsche Diskussion geführt. Sie haben Glaubenskriege über die richtige Schulform geführt, statt sich darum zu kümmern, wie man Kinder klüger macht.”
Die Schlussfolgerung: Schule muss sich ändern, nicht die Schulform. Es ist nicht so wichtig, ob Kinder früh oder spät aufs Gymnasium gehen. Wie Schule funktionieren soll, muss die eigentliche Frage sein. Wie kann unser Bildungssystem Kinder klüger machen!?
Zum Abschluss vor der Bremischen Bürgerschaft gegen 14 Uhrwar hat sich Demonstrationsfeld schon ziemlich gelichtet. Das dürfte daran liegen, dass um 13 Uhr viele Schüler die Demo verließen – schließlich war ja Schulschluss und danach interessiert man sich dann doch nicht so sehr für bessere Bildung.
Interessant war übrigens noch, dass der Kapitalismus natürlich an allem Schuld war und ist – man muss ihn bekämpfen. Tja, gegen Kapitalismus skandieren lässt es sich eben ziemlich einfach mit einem Top von Dolce&Gabbana, einem T-Shirt von Ed Hardy oder Schuhen von Converse.
Ein paar Eindrücke vom Bildungsstreik im bewegten Bild:
Bildungsstreik in Bremen… das üben wir nochmal!
28 Mai
Das war eine Aufregung bei der Bundespräsidentenwahl. Und Twitter mittendrin! Da verkünden einfach so ein paar Abgeordnete von der SPD und CDU das Ergebnis vor dem Versammlungsleiter Nordert Lammert (CDU). Natürlich war das Ergebnis der ersten Auszählung für die knapp 2 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher nicht im entferntesten zu erahnen. Zumindest wenn man sich die Blaskapelle und die Blumensträuße wegdenkt, die über die Bildschirme flimmerten. Das war natürlich Spannung pur.
Die Twitterer wurden gescholten für ihr unüberlegtes rausposaunen. Kann man halten wie ein Dachdecker…..
Nun aber gilt für die SPD Fraktion im Bundestag ein Twitterverbot, denn laut Bild.de twitterten Abgeordnete aus der nicht öffentlichen Fraktionssitzung und zogen sich somit den Unmut von Peter Struck zu. Was da getwittert wurde? Nichts besonderes eigentlich:
“Steinbrück wirbt für die Schuldenbremse.” via @GabiHillerOhm
oder
“Noch 30 Wortmeldungen zur Schuldenbremse.” via @GabiHillerOhm
Die erste Nachricht ist nun völlig unverfänglich. Wie Steinbrück zu dem Thema steht weiß jeder schon aus der Lektüre der Tageszeitung. Die zweite Nachricht könnte heikel sein – zumindest wenn man hier unbedingt etwas reininterpretieren möchte. 30 Wortmeldungen – wird da nun gestritten oder nur sachlich debattiert und argumente ausgetauscht? Ist man sich einig und jeder lobt den Vorredner oder gibt es harte diskussionen? Man weiß es nicht. Von daher ist auch diese Message so herrlich nichtssagend.
Nun gilt ein generelles Verbot. Für Twitter. SMS und eMails können die Abgeordneten immernoch schicken. Das kann ja nicht von jedem weltweit direkt gesehen werden. Doch schon geht die Diskussion auf Twitter, Facebook und co über das Verbot los. Da gibt es durchaus Zustimmung à la “nicht-öffentlich bedeutet nun mal nicht-öffentlich.” Wahl.de hat dazu nur diesen Kommentar übrig:
“Alberne Idee, das #twitterverbot … dann doch bitte “Handy auf den Tisch, Akku raus”. #smsverbot #mailverbot” via @wahl_de
Fakt ist: Internas wurde schon immer aus Fraktionssitzungen hinausgeplaudert. Das ist im Stadtrat so, in Landtagsfraktionen und warum sollte es auf Bundesebene anders sein? Die neue Dimension ist, dass man nicht einen Journalisten “privat” informiert, sondern direkt Millionen von Menschen. Zumindest theoretisch. Vielleicht denken einige nicht darüber nach, was sie besser für sich behalten sollten und was sie problemlos veröffentlichen können.
Was fehlt, sind klare Kommunikationsrichtlinien, wie sie auch in Unternehmen gelten. Darin kann geregelt werden, wie Abgeordnete mit den neuen Dialog-Möglichkeitenn umgehen sollten. Natürlich keine Detailregeln sondern eher etwas wie ein Rahmen, in dem sich die Politiker bewegen können. Das kann heißen: Nicht-Öffentliche Sitzung = Handy aus*. Oder etwas schöner formuliert: “Veröffentlichen sie nie vertrauliche Informationen.”
Die meisten Regeln ergeben sich eigentlich schon durch reine Logik. Doch für manche muss man sogar Selbstverständlichkeiten noch schriftlich festhalten.
Die erste Regel sollte immer lauten
“Erst denken, dann twittern!”
* Bleibt die Frage, wieviele Sitzungen von Bundestagsfraktionen öffentlich sind.
26 Apr
Die Bilder der letzten WiWiPartyvom 23.04.2009 sind online. Wie immer fand diese im Magazin-Keller in Bremen statt. Auch dieses mal kamen viele hundert Feierlustige aus Bremen zum StugaWiWi.
Der Stuga hat das ganze wiedermal wunderbar organisiert, das Bier war kalt, die Cocktails lecker. Aber das kennt man nicht anders von unseren Partie-Profis!
Zu finden sind einige Bilder auf StudiVZ (auch hier) oder auch bei Facebookund Flickr. Das volle Paket gibt es aber wie immer nur auf StugaWiWi.de
Am Ende sind gut und gerne 300 Bilder im Kasten gelandet. Die besten 118 Bilder könnt ihr beim Stuga bewundern. Also schnell klicken! Um ein wenig Appetit auf die Bilder zu machen, hier schonmal ein kleine Vorschau:
Und ein Hinweis auf die nächste Party vom Studiengang Wirtschaftswissenschaften soll natürlich auch nicht fehlen:
29 Jan
Das Referat war ganz gut, es gab einige interessante Nachfragen. Doch nun muss das mündliche Referat noch in Textform gebracht werden – ist ja noch eine Woche Zeit.
Worum ging es eigentlich? Die Endogene Entwicklung durch Unternehmensgründungen im Raum Bremen. Speziell Migranten als Unternehmensgründer. Also sind wir der Frage nachgegangen, wie das endogene Potential von Migranten in Bremen genutzt und gefördert wird. Nun ist es sicherlich schwierig die “Döner-Bude” nebenan als wirklichen Beitrag zur Wirtschaftsförderung zu betrachten. Hier spielen eher Soziale Gründe eine Rolle für die Förderung. Unternehmensgründung als Integrationsprojekt.
Irreführend war danach der Hinweis des Professors, ob man sich nicht auch auf die Anwerbung von hochqualifizierten Migranten beziehen könnte, als echte Beitrag zur Wirtschaftsförderung. Meiner Meinung nach ist die Anwerbung von Hochqualifizierten aber kein endogenes Potential an sich – sondern exogen.
Hier die Folien der Präsentation
[slideshare id=961513&doc=praesentation20080822-1233152439703392-1&w=425]
photo credit: massenpunkt
23 Jan
Was mich so interessiert hat, was ich gelesen und was ich überflogen habe:
6 Jan
Da sagt der Mann im Radio doch glatt “-10° in Bremen” – wer hat denn da noch Motivation aufzustehen? Unverschämtheit dem inneren Schweinehund so direkt vorschub zu leisten.
Ja, heute ist der erste “echte” Uni-Tag im Jahr 2009. Was steht an? Finanzwissenschaft, Referat, Steuern und Globale Makroökonomie. Ein tolles Programm oder?
Das Referat wird noch ein Spaß werden. “Endogene Wirtschaftsentwicklung in Bremen – Migranten als Unternehmensgründer” ist das Thema. Vielleicht kann die BIG Bremen mir da weiterhelfen. Nina und ich werden das schon reißen.
Ach ja, Porsche hat heute bekannt gegeben etwas mehr als 50% der Aktien des VW-Konzerns zu besitzen. David übernimmt Goliath. Ein Hoch auf das VW-Gesetz.
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