Die NWZ berichtete über den Umzug der Rettungswache vom St. Bernhard Hospital in die FTZ. Die Pläne des Landkreises erläuterte Fachbereichsleiter Rudi Schulenberg.
Schulenberg sieht „nur Vorteile“ in dem Umzug. Kreise aus dem Rettungsdienst sehen das jedoch ganz anders. Zumal man Vorsicht walten lassen sollte, wenn jemand nur Vorteile sieht – Probleme werden wohl ausgeblendet oder gar nicht erst in Betracht gezogen.
Schulenberg sieht den größten Vorteil in der Nähe zu den Bundesstraßen B211 und B212 und dem Hafen. Die FTZ ist durchaus näher an der B212 als das St. Bernhard Hospital – jedoch ist Brake nicht so groß, dass der Unterschied sich wirklich bemerkbar machen dürfte. Zumal die prekäre Situation der sich stauenden Autos und LKW an der Kreuzung B211/B212 sicherlich gar nicht in Augenschein genommen wurde. Blaulicht hin oder her, der Weg zur B211 könnte dadurch auch länger werden als gedacht. Wenn man als Referenzpunkt den Weg zur Kreuzung B211/B212 nimmt, ist es eigentlich kein Argument. Der Weg von der FTZ zum Kreuzung ist ca. 1,76km lang, vom Krankenhaus zur Kreuzung lediglich ca. 1,58km (siehe Google Maps Karte weiter unten). Ein marginaler Unterschied und dann auch noch zu Gunsten der Krankenhausvariante.
Fraglich ist, ob durch den neuen Standort die Einsatzzeiten im Einsatzgebiet auch weiterhin eingehalten werden können. Nicht umsonst musste in Ovelgönne eine Außenstelle eingerichtet werden, weil sonst die Einsatzzeiten im Westen des Gebietes nicht sichergestellt werden konnten. Durch den Umzug kann darauf auch weiterhin nicht verzichtet werden.
Ein weiterer Vorteil ist laut Schulenberg der Hubschrauberlandeplatz bei der FTZ. Ja, es gibt dort einen Landeplatz – aber müsste der Rettungshubschrauber in akuten Notfällen auch weiterhin direkt am Hospital landen können.
Natürlich kann der Rettungsdienst nicht sofort in die FTZ ziehen. Zuerst müssen zwei Wohnungen in der FTZ hergerichtet werden und eine neue Fahrzeughalle gebaut werden. Es ist ja nicht so, dass die FTZ nicht aus allen Nähten platzen würden. Das der Rüstwagen 2 ab 2010 im neuen Gerätehaus in Hammelwarden stehen wird, lindert die Platzsituaten in der FTZ ein wenig, löst das Problem aber nicht in Gänze.
Der Umzug zur FTZ wird auch die Fahrtwege verlängern. Die meisten Fahrten des Rettungsdienstes sind Transporte vom Patienten ins Krankenhaus und vom Krankenhaus wieder zum Patienten nach Hause. Der Weg ist also Wohnung – Krankenhaus – Wohnung des Patienten. In Zukunft würde der Weg von der FTZ und zur FTZ zurück hinzukommen. Ein Beispiel soll dies erläutern: ein Patient muss aus der Heinrichstraße abtransportiert werden.
- Derzeit: Der Rettungswagen fährt vom Krankenhau in die Heinrichstraße und wieder zurück. Beim Rücktransport ebenso.
- In Zukunft: Der Rettungsdienst fährt von der FTZ in die Heinrichstraße und von da aus zum Krankenhaus. Beim Rücktransport würde der Rettungsdienst von der FTZ zum Krankenhaus fahren und dann den Patienten zur Heinrichstraße.
Der Weg FTZ-Krankenhaus würde also zweimal gefahren werden – ohne wirklichen Grund. Da der Weg von der FTZ zum Krankenhaus ca. 3km beträgt würden so bei jedem Einsatz 6km ohne jeglichen Sinn gefahren werden. Bei 500 Einsätzen wären das schon 3000km!
Hinzu kommt ein logistischer Aspekt: In der FTZ müssten die Utensilien zur Ausrüstung des Rettungswagen vorgehalten werden, ebenso im Krankenhaus für den normalen Betrieb. Hier würden Synergieeffekte ungenutzt bleiben.
Also bisher scheint die Lösung vom Landkreis und Schulenberg nicht “nur Vorteile” zu haben. Auch der Geschäftsführer der Hospitalgesellschaft Jade-Weser, Heinz Hoffstedde ist gegen einen Umzug:
“Der Rettungsdienst gehört ans Krankenhaus.”
Ebenso äußert sich Björn Thümler, MdL:
„Krankenhaus und Rettungswache gehören zusammen. Deshalb ist die Rettungswache in Nordenham vor einigen Jahren ja extra an die Wesermarsch-Klinik verlegt worden“
Bisher hat der diensthabende Notarzt außerhalb von Einsätzen auf Station mitgearbeitet, auch deshalb hält Hoffstedde die Landkreis-Lösung für die teurere.
„Das geht am neuen Standort nicht mehr“, sagt Hoffstedde.
Den Rettungsdienst-Kreisen zufolge hat die Hospitalgesellschaft eine Etage des geplanten Neubaus am Krankenhaus dem Rettungsdienst zur Miete bzw. zum Kauf angeboten.
Das ist vor allem Interessant im Hinblick auf die Entwicklungen, die mit der bald startenden Großleitstelle Oldenburg einhergehen. Im Zuge dessen werden sicherlich die Landkreise auch beim Thema Rettungsdienstorganisation stärker kreisübergreifend kooperieren müssen. Eine Neuordnung der Rettungswachen ist dabei unumgänglich, um einfach effizienter arbeiten zu können. Wenn eine Rettungswache in einer so oder so überstrapazierten FTZ untergebracht ist, wäre dies ein guter Grund diese zu verlagern. Möglicherweise weiter nach Westen in Richtung Ovelgönne/Jaderberg.
Mögliche bessere Lösungen wären die schon beschriebene Anmietung oder der Kauf einer Etage in dem geplanten Neubau am Krankenhaus. Eine Rettungswache mit “eigenem” Besitz würde so schnell nicht geschlossen bzw. verlagert werden.
Eine zweite Variante wäre der Bau einer Rettungswache direkt an der Bundesstraße, möglicherweise direkt an der Kreuzung B211/B212. Aus Kostengründen und der Finanzsituation des Landkreises erscheint diese Variante nicht sinnvoll. Obwohl dann auf die Außenstelle in Ovelgönne verzichtet werden könnte.
Die Pläne von Rudi Schulenberg und dem Landkreis sind für mich aus den genannten Gründen eine Fehlentwicklung. Vielleicht nicht auf kurze Sicht. Aber in einer langfristigen Betrachtung und unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sicherlich eine falsche Entscheidung.
Visualisierung der wichtigen Standorte und Details in Google Maps.
Größere Kartenansicht
photo credit Blaulicht: *MarS
photo credit Hubschrauber: Judo10
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