Tag Archives: Kinder

Kurzfilm: Beyond

20 Okt

Kurzzfilm

Wovon träumt jeder kleine Junge und vielleicht auch jedes kleine Mädchen? Genau: Astronaut werden. Sicherlich neben Tierarzt, Baggerfahrer und Feuerwehrmann der Traumberuf von kleinen Kindern.

Der Weltraum fasziniert. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder scheinen davon begeistert zu sein. Bis ins Unendliche und darüber hinaus. Unvorstellbar weit. Astronauten sind Helden, sie begeben sich in Gefahr und können anscheinend jede Situation meistern. Natürlich werden Kinder durch Filme und Zeichentrickserien beeinflusst. Bei mir war es “Captain Future” und “Star Trek” – wie bei vielen anderen auch. (weiterlesen …)

Bürgermeisterwahl Berne: Wird es doch noch spannend?

23 Aug

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bittner gr 206x300 Zuerst schien es so, als würde die Bürgermeisterwahl in Berne recht langweilig werden. Ein Kandidat, der von SPD, CDU und Grünen unterstützt wird. Ein Kandidat von den Linken, der genauso chancenlos erscheint, wie der freie Kandidat. Doch man hatte es schon geahnt, man munkelte es wäre was im Busch. Und so ist es auch. Bernd Bremermann, der abgewählte Bürgermeister gründete zuerst das Bürgerforum Berne. Und jetzt hat er auch noch einen Bürgermeisterkandidaten.

Bernd Bremermann genießt in der Berner Bevölkerung, trotz seiner Verfehlungen in der Amtsführung, immernoch ein recht hohes Ansehen. Und genau dies macht die Wahl plötzlich doch spannend. Bremermann ist ein erfahrener Wahlkämpfer und kennt die Berner und ihre Bedürfnisse.

Die Parteien im Gemeinderat waren sich nach Bremermanns Abwahl schnell einig: sie wollten einen parteilosen Kandidaten. Was jedoch dann kam, ist alles andere als parteilos. Es kam Franz Bittner. 38 Jahre war er SPD-Mitglied, sogar schon einmal Bürgermeisterkandidat der SPD in Brake – dort verlor er mit Pauken und Trompeten gegen die partei- und farblose Uta Maron. Und urplötzlich, kurz bevor er nominiert wurde von den drei Parteien, tritt dieser Parteisoldat aus seiner SPD aus. Ohne Gründe zu nennen! Die hätte es zuhauf gegeben. Die Bundespolitik, Hartz IV oder oder oder. Aber nein, der Austritt erfolgte ohne großartige Begründung.

Und da hatten die Parteien ihren “parteilosen” Bürgermeisterkandidaten. Verwaltungserfahren ist er ja – schließlich leitet er schon jetzt die Amtsgeschäfte im Berner Rathaus. Im Auftrag von Michael Höbrink, dem Landrat und SPD-Mitglied. Aber die CDU und die GRÜNEN in Berne haben sich dieses Kuckuks-Ei bereitwillig ins Nest legen lassen. Vielleicht glaubt man auch, die Berner riechen die Lunte nicht. Man versucht Franz Bittner als parteilos zu verkaufen. Rein formal ist er das ja auch. Aber wie parteilos kann jemand sein, der kurz vor seiner Nominierung ohne Begründung, nach 38 Jahren aus der SPD austritt? Von parteilos kann doch keine Rede sein.

Doch sowohl SPD, als auch CDU und GRÜNE glaubten an ein sicheres Ding in Berne. Und jetzt kommt Bremermann – mit voller Wucht zieht er einen wirklich parteilosen Kandidaten aus dem Hut.Und der ist auch noch Verwaltungserfahren.

Schon bei der Gründung des “Bürgerforum Berne” verkündete Bremermann

„Wir suchen noch nach einem geeigneten Kandidaten. Wir würden uns freuen, wenn sich jemand melden würde“

Gefunden hat man diesen Kandidaten in Person von Ralf Schulze aus Elsfleth. Aufgewachsen ist der 48jährige in Berne, hat dort Fußball gespielt und arbeitet derzeit bei einer Landesbehörde. Seine Themen sind die Jugendarbeit in Berne, Kindergärten und die Gestaltung der Langen Straße.

“Da muss man auf die Immobilienbesitzer zugehen. Der jetzige Zustand ist nicht tragbar.”

erklärt Schulze. Kritik übt der neueste Kandidat um das Bürgermeisteramt in Berne an der Art und Weise, wie die Parteien ihren Kandidaten gesucht haben:

“Die Stelle war nur fünf Tage lang im Internet zu finden. Das kenne ich aus dem öffentlichen Dienst eigentlich anders. Sie war klar auf den Wunschkandidaten ausgerichtet.”

Bremermann ist wieder in Kampflaune. Das könnte das sichere Ding “Berner Rathaus” für die Parteien und Franz Bittner etwas unsicherer machen. Bezeichnend ist auch, dass man auf den Internetseiten der SPD und CDU Berne keinerlei Hinweise auf die Bürgermeisterwahl findet. Informationen für die Bürger scheinen nicht so wichtig zu sein.

Es bleibt spannend in Berne.

Europawahl: Kinder wissen worum es geht!

6 Jun

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3508215668 cc7b270907 m Und weißt du auch worum es geht?

Die Kinder wissen jedenfalls warum man am  Sonntag wählen gehen soll. Die Europäische Union hat uns viele Vorteile gebracht.

Das erste mal in der Geschichte leben wir mit unseren Nachbarn im Frieden zusammen! Also am Sonntag wählen gehen!

Es geht um deine Zukunft! Das Europäische Parlament entscheidet bei den wichtigsten Gesetzesentscheidungen mit! Es geht um 500 Millionen Menschen in der EU, 375 Millionen sind zur Wahl aufgerufen in 27 Ländern! Und DU bist einer davon! Also nutz deine Chance – geh wählen!

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cc  photo credit: mkorsakov

Löschen statt Sperren – das geht!

28 Mai

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zensursula 300x146 Die Debatte um das geplante “Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen” ist noch lange nicht am Ende. Mittlerweile haben über 100.000 Unterstützer die Petition“Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” unterzeichnet. Es gab eine Expertenanhörung im Bundestag. Die Stellungnahmen zu dieser Anhörung findet man hier und hier

Nun sind die Kritiker ja nicht nur gegen das Gesetz, sondern für wesentlich bessere Lösungen – die nicht den Aufbau eines Zensurapparates (auch für andere Inhalte) beinhalten. Und das die anderen Lösungen ziemlich effektiv sind, dass hat der Arbeitskreis gegen Internetsperren (AK Zensur) bewiesen. In nur 12 Stunden hat der AK Zensur 60 Internetseiten mit Kinderpornografie aus dem Netz löschen lassen – ganz ohne Stoppseite, die man umgehen kann. Und das beste ist: die Inhalte sind aus dem Netz verschwunden – für alle!

Innerhalb von 12 Stunden wurden 60 kinderpornographische Internet-Angebote gelöscht

Im Streit um geeignete Maßnahmen gegen im Internet dokumentierten Kindesmissbrauch (“Kinderpornographie”) wird von Befürwortern bloßer Sperren angeführt, dass es oftmals nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich sei, die Inhalte zu entfernen oder der Urheber habhaft zu werden.

Jetzt machte Alvar Freude vom Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) die Probe aufs Exempel, analysierte mit automatischen Verfahren die diversen europäischen Sperrlisten und schrieb die Provider an, auf deren Servern sich laut der Listen kinderpornographisches Material befinden soll. Mit beeindruckender Resonanz: Innerhalb der ersten 12 Stunden nach Aussenden der Mails wurden bereits 60 Webauftritte gelöscht.

Weitere Resultate und Erkenntnisse:

  • Die ersten Reaktionen bzw. Löschungen folgten bereits nach wenigen Minuten und kamen unter anderem aus den USA, Holland, Dänemark, Russland sowie Deutschland.
  • Drei der jetzt vom Netz genommenen Webauftritte befanden sich auf Servern in Deutschland.
  • Insgesamt wurden automatisiert 348 verschiedene Provider in 46 Ländern angeschrieben und über rund 1943 gesperrte vorgeblich illegale Webseiten informiert. Eine manuelle inhaltliche Analyse der Webseiten hat vorher nicht stattgefunden.
  • 250 Provider haben auf die Anfrage geantwortet, haben aber hauptsächlich legale Inhalte gefunden; mit Stichproben konnten diese Angaben bestätigt werden.
  • Zehn Provider gaben an, ingesamt 61 illegale Inhalte entfernt zu haben. Mit einer einfachen E-Mail kann man also schon viel erreichen.
  • Bei der überwiegenden Mehrheit der Webseiten, darunter einigen aus Deutschland, zeigte sich bei der Überprüfung durch den Provider, dass die Webseiten kein kinderpornographisches, teils überhaupt kein irgendwie beanstandbares Material enthielten – die Webauftritte waren folglich zu Unrecht gesperrt. In Finnland werden zudem auch mehrere inländische Webseiten blockiert, die sich kritisch mit den dortigen Internet-Sperren auseinandersetzen.
  • Die Provider wurden bislang nicht darüber informiert, dass die bei ihnen gehosteten Webauftritte auf einschlägigen Sperrlisten geführt wurden.
  • Wenn sie darauf hingewiesen werden, sind die Provider zur Kooperation bereit und entfernen illegale Inhalte umgehend.
  • Teilweise handelte es sich bei dem gesperrten Material um “gecrackte” Webauftritte, also solche, die durch Ausnutzen von Sicherheitslücken zur Verbreitung fremden Materials missbraucht wurden. Auch hier zeigten sich die Provider sehr dankbar für die Hinweise.

Die Abschaltung von Webauftritten mit kinderpornographischen Inhalten dauert nicht länger als die Übermittlung einer Sperrliste. Dies führt die Argumentation der Befürworter des bloßen Sperrens ad absurdum – es gibt keinen sachlichen Grund, strafbare Inhalte im Netz zu belassen und sie für alle einschlägig Interessierten mit minimalem Aufwand weiterhin zugänglich zu halten.

Was für eine Bürgerinitiative wie den Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensurmöglich ist, sollte für die deutsche Regierung und Strafverfolgungsbehörden ein Leichtes sein und die hier erzielten Ergebnisse deutlich übertreffen können.

Löschen statt Sperren – von Beginn an die Forderung des AK Zensur – ist möglich!

 

Also: es geht doch. 

Internetsperren und Kinderpornografie

6 Mai

Internetsperre

10613461 4a183e77d7 m Die unten stehende Abwandlung von Martin Niemöller habe ich im Filterblog und beiDINENISO gefunden. Genau wie Jan vom Filterblog bin ich der Meinung, dass diese Abwandlung von Niemöller vielleicht zu schwarz gemalt ist. Keiner will und kann den  Demokratischen Parteien in unserem Land vorhalten, sie wollen das Grundgesetz außer Kraft setzen. Doch noch vor weniggen Wochen hätte niemand damit gerechnet, dass in unserem Land das Internet gefiltert werden soll.

Als sie Kinderpornografieseiten sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich habe diese Inhalte ja nicht konsumiert.

Als sie Raubkopiererseiten sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich habe ja nicht raubkopiert.

Als sie Blogs mit gesellschaftskritischen Inhalten sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich war ja nicht gesellschaftskritisch eingestellt.

Als sie die Seiten von Oppositionsparteien und Gewerkschaften sperrten habe ich nichts gesagt, denn ich war ja nicht in der Gewerkschaft oder in so einer Partei.

Als sie das Grundgesetz ausser Kraft gesetzt haben, gab es kein Medium mehr über das ich hätte etwas sagen können.

Nun gibt es eine breite Debatte – zumindest in dne Online-Diensten, auf Blogs und auf Social Networks. In den offline Medien findet man selten etwas über das Thema und wenn, dann hauptsächlich die Sicht der Bundesregierung und der zuständigen Ministerien. Im Internet wird die Debatte neben den Plakativen “Zensursula” Angriffen durchaus auch sachlich und sehr differenziert geführt. Diverse Gruppierungen versuchen aufzuklären und insbesondere zu erklären was die Internetsperre bedeutet bedeuten kann.

Die Aktion “Missbrauchsopfer gegen Internetsperren” (MogIs) hat beispielsweise ausführlich die Statistiken des BKA und von internationalen Organisationen ausgewertet. Die Ministerien argumentieren für die Internetsperre mit drastischen und erschreckenden Zahlen. Daher erscheint es sinnvoll, sich mit diesen Zahlen und den Argumenten einmal näher auseinander zu setzen.

Noch ausführlicher beschäftigt sich Netzpolitik mit den Argumenten der Befürworter und hinterfragt diese kritisch. Der Hintergrundtext ist relativ lang, aber auch sehr ausführlich und mit vielen Quellen hinterlegt. Die Quellen fehlen leider zu oft in anderen Publikationen zu dem Thema. Aus diesem Grund ist der Text besonders lesenswert!

Zu beginn wird der Frage nachgegangen, wie Kinderpornografie überhaupt definiert wird. Also wie der Straftatbestand zustande kommt. Im Zeitverlauf gab es diverse Erweiterungen des Kinderpornografie-Begriffs.

Die Erweitungen des Kinderpornografiebegriffes haben Tradition im westlichen Kulturraum, so wurde in den 70er Jahren noch weitgehend die Alterschranke von 13 Jahren angesetzt und Studiobilder von jungen Models erlebten eine allgemeine Verbreitung über ganz legale Lolita Magazine in den Zeitungskiosken.

Durch die jüngste Definition der EU durch den Rahmenbeschluss zu Kinderpornografie wird 

ein Kind als Person unter 18 Jahren 

und Kinderpornographie als 

jegliche Darstellung von Kindern oder Personen mit kindlichem Erscheinungsbild sowie realistische Darstellung fiktiver Kinder in realen oder fiktiven Handlungen.

definiert.

Durch diese Definition würde beispielsweise auch der Roman “Lady Chatterly” von David Herbert Lawrence aus dem Jahr 1928 oder auch japanische Hentai-Magazine unter Kinderpornos fallen.

Die weitere Betrachtung bezieht sich auf die Möglichkeit der Strafverfolgung in der BRD und anderen Ländern. Das Fazit ist eindeutig:

Die Strafverfolgung ist in allen Ländern, in denen Webseiten gehostet werden, möglich. Es fehlt an der Bereitschaft zur internationalen Kooperation.

Auch bei Netzpolitik werden die Fallzahlen betrachtet. Diese werden als Hauptargument der Befürworter ins Feld geführt.

Hier lohnt sich ein Blick in die Kriminalstatistik selbst: Die schweren Mißhandlungen gemäß §176a erscheinen unter den Schlüssel 1316 bis 1318. Hier liegen die Fallzahlen konstant bei 1200 Fälle pro Jahr zwischen 1999 bis 2007. Diese Zahlen zum realen Mißbrauch wurden für 2007 von Christian Bahls nochmals im Detail betrachtet und zeigen, daß mehr als 99% der realen Mißbrauchsfälle ohne Erzeugung von Bildmaterial standfinden.

Ebenso erfolgt eine Beleuchtung des “Kommerziellen Massenmarktes“, der auch immer wieder als Argument für eine Sperre herangezogen wird.  Das Ergebnis der Quellenschau ist eindeutig: Es gibt den Kommerziellen Massenmarkt für Kinderpornografie im öffentlichen Internet nicht. Die Millionenumsätze beziehen sich auf die gesamte Pornobranche, nicht aber nur auf die schrecklichen Taten die an Kindern begangen werden.

Sehr interessant ist der Abschnitt zur “Sperrtechnik”. In Finnland gibt es bereits Sperrlisten. Eine Analyse der finnischen Sperrliste ergab das folgende Ergebnis: 85% der gesperrten Seiten haben nichts mit Kinderpornografie zu tun, 5% enthalten Material mit minderjährigen Models, 2% enthalten wenige kinderpornografische Darstellungen oder Links zu derartigen Darstellungen, ganze 9 Seiten also weniger als 1% enthalten illegale kinderpornografische Inhalte, der Rest 8% nicht mehr existent.

Netzpolitik kommt im Fazit zu der Auffassung, dass von Seiten der öffentlichen Stellen mit schwammigen Begriffen argumentiert werde und verschiedene Statistiken zu neuen Zahlen verquickt würden. Es sei eine politische Entscheidung, unter der Maßgabe der gesellschaftlichen Akzeptanz pro oder contra Internetsperren. Jedoch sei die Argumentationsweise nicht legitim.

Auch im Blog “Internet-Law“, sowie bei Heise im c´t Magazin wird das Thema beleuchtet. Beide Quellen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis wie Netzpolitik.

Oftmals wird das Internet von den Befürwortern mit einem Kiosk verglichen. Es wird argumentiert, dass ein Internetangebot für Kinderpornos ähnlich agiert, wie ein Kiosk der Kinderpornos anböte. Es würde ein Angebot an alle gerichtet. Bei einem Kiosk würde man die Kinderpornos beschlagnahmen und vernichten, den Betreiber würde man vor Gericht stellen. Doch das Problem ist, dass man im Internet anders agiert. Anstatt die Betreiber gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen und die Inhalte aus dem Netz zu  nehmen geht man einen anderen Weg. Um bei dem Bild vom Kiosk zu bleiben: Man stellt vor den Kiosk eine Wand (die Stopp-Seite im Internet) und schreibt auf diese Wand “Stopp! Hier gibt es Kinderpornos!”. Damit nicht genug, denn mit der Stoppseite gibt man auch gleich den Hinweis “geh bitte einmal Links  um die Ecke, da ist der Eingang”. Warum? Die Sperren sind auch für Laien sehr leicht zu umgehen.

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Wie man sieht: ganz einfach! Man braucht nicht mal 30 Sekunden.

Die Sperren sind also reine Makulatur und ein erster Schritt auf dem Weg zum zensierten Internet. Denn abgesehen von der schwammigen Argumentation und der leicht zu umgehenden Sperre wird auf eine demokratische Kontrolle verzichtet. Im Bereich der Sperren soll das BKA sogleich Gesetzgeber, Strafverfolgungsbehörde und Richter sein. Eine Trennung in Legislative, Executive und Judicative ist nicht mehr Erkennbar. Doch das ist der Grundpfeiler unserer Demokratie!

 

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Quelle: Titanic Magazin

Das BKA erstellt die Sperrlisten und gibt diese täglich den Providern. Die Sperrlisten unterliegen keiner demokratischen Kontrolle durch Parlament oder Gerichte. Kommt nun jemand auf eine gesperrte Seite, wird dieser Zugriff gespeichert und die Daten an das BKA weitergeleitet. Damit gibt es einen Anfangsverdacht – das BKA beginnt mit der Strafverfolgung: Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen (Zuhause und beim Arbeitgeber) und schlussendlich die Anklage. Bei den vom Ministerium prognostizierten 300.000 bis 450.000 “zufälligen” Aufrufen die man täglich blocken könnte, hat das BKA eine Menge zu tun.

 

Was ist mit Seiten, die aus versehen auf die Sperrlisten geraten? Das weiß man nicht. Und das es passieren kann zeigt das finnische Beispiel. Schließlich erstellen Menschen die Listen und Menschen machen Fehler.

Wer schon einmal ein  Land besucht hat, dass Internetsperren vornimmt, weiß wie diese auch mal falsch liegen können. Aus eigener Erfahrung weiß ich das. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird bespielsweise die Seite Bild.de nicht gesperrt, sehr wohl aber der Sportteil. Das StudiVZ ist voll nutzbar, nur  nicht die Hilfe-Seite.

Und noch eines zu den Sperren. Es wird behauptet, man wolle die Nutzer vor zufälligen Aufrufen solch schrecklicher Seiten schützen. Ich bin seit mittlerweile über 10 Jahren im Internet unterwegs und ich bin noch nie (!) auf eine Seite mit Kinderpornos gestoßen. Mir ist auch derzeit kein Fall bekannt, wo dies zufällig geschehen ist. Weiterhin zeigt der Fall des Bundestagsabgeordneten Tauss, dass es keinen Markt im öffentlichen Internet gibt. Kinderpornos werden privat getauscht. Dies passiert in Zirkeln,  in die man nicht ohne weiteres reinkommt. Selbst das BKA und die LKAs haben es bisher nicht geschafft Ermittler in diese Zirkel einzuschleusen – ohne das die Ermittler sich selbst strafbar machen würden. 

Der Weg der ganz am Anfang in der Abwandlung von Niemöller beschrieben wird ist sicherlich ab einem gewissen Punkt hoffentlich reine Fiktion, die sich keiner wünscht. Doch der erste Schritt wird getan. Aber dadurch wird nicht ein einziges Kind vor sexuellem Mißbrauch geschützt. Gehässig könnte man sagen “Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Warum werden nicht die Länder, in denen Mißbrauch passiert und wo Kinderpornos gehostet werden, massiv dagegen vorzugehen und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen? Dies könnte mit Androhung von Sanktionen geschehen. So könnte die  Regierung damit drohen die Entwicklungshilfe zu streichen. Die EU könnte mit Importstopps agieren etc. Das würde viele Ländern zu einem massiveren Vorgehen bewegen.

Wieso bewegt man nicht die Hoster in unserem Land diese Seiten zu löschen, anstatt diese nur zu sperren? Das es möglich ist und von den Hostern die Inhalte schnell gelöscht werden, wurde bereits bewiesen!

Das vornehmliche Ziel muss sein, den Missbrauch von Kindern zu verhindern. Doch bedarf es dazu keiner Zensur des Internets.

cc  photo credit: satanslaundromat

Großmacht China fürchtet sich vor Kinderlied

24 Mrz

Großmacht China fürchtet sich vor Kinderlied

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Die ganze Welt kann ein Kinderlied auf Youtube sehen…. Die ganze Welt? Nein! Eine autoritäre Regierung in einem Land hört nicht auf, der Redefreiheit Widerstand zu leisten…

Es ist schon eine komische Nachricht: Die Großmacht China hat Angst vor einem Kinderlied und lässt dieses auf YouTube sperren.

Worum geht es eigentlich? Das Lied handelt von Schlammpferden (“grass mud horses”), deren Lebensraum von bösen Flusskrebsen (“river crabs”) bedroht wird. Das ganze ist mit einem lustigen Sound unterlegt, so das alles als Kinderlied daher kommt. Wochenlang war dieses Lied in China sehr beliebt – doch seit heute Nacht ist das Video bei YouTube gesperrt.

Warum sperrt China ein Kinderlied, mag man sich nun fragen. Das Lied ist gespickt mit Anspielungen, ähnlich wir in Fabeln. Das Lied ist in Wirklichkeit eine Schimpftirade auf die chinesische “Harmony”-Kampagne zur Internetzensur. Chinesische Blogger schreiben oft, dass ihre Artikel “harmonisiert” wurden. Nun klingt “river crab” wenn man es auf  chinesisch ausspricht fast genauso wie “harmony” und “grass mud horses” klingt ähnlich wie ein böses Schimpfwort. In dem Lied tauchen noch weitere Synonyme auf, wie z.B. für “censorship”. Auf YouTube ist in der Video-Beschreibung zu lesen:

“Xiao Qiang, an adjunct professor of journalism at the University of California, Berkeley, said that the grass-mud horse is an icon of resistance to censorship.”

Den Zensur-Behörden in China war dies nicht einmal aufgefallen. Erst die Berichterstattung in ausländischen Medien machte die Zensurbehörde auf das Lied aufmerksam. Prompt wurde das Video gesperrt, vielleicht aber zu spät. In China ist das Lied Gesprächsthema, viele Chinesen kennen es und können es sogar auswendig.

Song of the Grass-Mud Horse (Cao Ni Ma)

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cc  photo credit: schoschie

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Kinderpornos: SMS-Nachrichten belasten Abgeordneten

8 Mrz

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tauss ml 250x272 72dpi Der Vorwurf wiegt schwer: Besitz von Kinderpornos. Diesem Vorwurf muss sich der (Ex-) Medienexperte der SPD, Jörg Tauss stellen.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hatte hinweise auf Tauss von der Staatsanwaltschaft Bremerhaven bekommen. Dort wurde belastendes Material bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Unter anderem zwei Handy-Nummern die Tauss zugeordnet werden können. Jetzt belasten gesendete SMS-Nachrichten den Abgeordneten schwer.

Tauss hatte das bei ihm gefundene “einschlägige” Material damit begründet, dass er sich als Abgeordneter seit Jahren mit dem Thema Kinderpornografie beschäftige und alles im Rahmen seiner Abgeordnetentätigkeit stehe. Doch die Auswertung von SMS-Nachrichten bringen Tauss nun in Erklärungsnöte.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll er mit dem Kontaktmann in Bremerhaven in “eindeutiger Weise kommuniziert haben“. So soll er auch nach mehr Material gefragt haben und auch beiläufige Kommentare wie “geil” sollen sich in den Nachrichten finden. Auch soll Tauss eine DVD erhalten haben, die an seine Privatadresse in Berlin geschickt wurde. Als Adresse wurde eine leichte Abwandlung des Namens eines früheren Mitbewohners von Tauss genutzt.

Tauss bestreitet weiterhin seine Schuld. Sein Anwalt spricht von einer Art 

“sozialen Exekution”

Der Beschuldigte wird frühestens Ende nächster Woche vernommen. Der Anwalt kündigte eine  weitere Erklärung von Tauss zu den Vorwürfen an.

Besitz von Kinderpornos ist in Deutschland verboten. Einzige Ausnahme ist, wenn der Besitz “ausschließlich der Erfüllung rechtmäßiger dienstlicher oder beruflicher Pflichten” dient. Ob die Recherche in der Szene und der Besitz von Kinderpornos auch für Abgeordnete durch diese Ausnahme gedeckt ist, muss geklärt werden.

Bis diee Vorwürfe gegen den Abgeordneten Tauss geklärt sind, gilt auch für ihn die Unschuldsvermutung.

Bildnachweis: Pressefoto von www.tauss.de

Vorwürfe gegen Bundestagsabgeordneten

6 Mrz

Vorwürfe gegen Bundestagsabgeordneten

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Die Nachricht machte am Donnerstag blitzartig die Runde: Medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss steht unter dem Verdacht im Besitz von Kinderpornos zu sein. Am Donnerstag Vormittag hob der Immunitätsausschuss des Bundestages die Immunität auf und machte so den Weg für die Ermittlungsbehörden frei.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hatte informationen von der Staatsanwaltschaft Bremerhaven bekommen und daraufhin die Ermittlungen aufgenommen. In Bremerhaven war ein Mann festgenommen, der unter Verdacht steht Kinderpornos verbreitet zu haben. Bei diesem Mann wurden zwei Handy-Nummern gefunden, die Tauss´ zugeordnet werden können, sowie dessen Berliner Adresse. Es soll zu insgesamt 23 Kontakten zwischen dem Bremerhavener und dem Abgeordneten gekommen sein und womöglich sogar eine DVD an den Abgeordneten geschickt worden.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe bestätigt, dass es einen Anfangsverdacht gebe und dass

“strafrechtlich relevantes Bildmaterial vorhanden sein könnte”

Jedoch sei noch keine Straftat nachgewiesen:

“Es kann herauskommen, dass er komplett unschuldig ist”

Jörg Tauss hat unterdessen seine Ämter in der SPD Baden-Württemberg und der SPD-Bundestagsfraktion niedergelegt und erklärt auf seiner Internetseite:

“Um auszuschließen, dass meine Partei und Fraktion durch die Ermittlungen belastet werden, stelle ich meiner Partei mein Amt als Generalsekretär der baden-württembergischen SPD und meiner Fraktion meine Funktionen als Sprecher für Bildung, Forschung und Medien und den Sitz im Fraktionsvorstand zur Verfügung.”

Er weist weiterhin die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück:

“Ich bin mir absolut sicher, dass der gegen mich erhobene Vorwurf schnell ausgeräumt werden kann.”

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Abgeordneter habe er sich mit diesem Thema beschäftigt. Zuletzt hatte er sich gegen die Initiative zur Sperrung von Internetseiten von Ursula von der Leyen stark gemacht und kritisiert die Initiative auch weiterhin:

“Als medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion habe ich mich immer und sehr entschieden für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet und für die entschlossene Bekämpfung von Kinderpornographie eingesetzt. Zugleich habe ich aber auch immer davor gewarnt, dieses Thema politisch zu instrumentalisieren, um bürgerliche Freiheitsrechte einzuschränken.”

Tauss setzt bei den Content-Anbietern an, anstatt teile des Internets zu sperren. Die Stategie, über die Content-Anbieter an die Täter heranzukommen ist bisher erfolgreich von den Ermittlungsbehörden angewand worden. Dennoch muss Tauss erklären, wie er an das “einschlägige” Material gekommen ist. Die Ermittler hatten solches Material auch außerhalb seiner PCs gefunden. Dazu erklärt die Staatsanwaltschaft:

“Das können wir so nicht nachvollziehen.”

Alle sind an einer schnellen Aufklärung der Vorwürfe interessiert. 

Nach dem Strafgesetzbuch ist der Besitz von Kinderpornos nicht strafbar, wenn dies  ”ausschließlich der Erfüllung rechtmäßiger dienstlicher oder beruflicher Pflichten” dient. Hierauf könnte Tauss sich berufen. Verwunderlich ist an der Geschichte auf jedenfall, dass Tauss die Ermittlungsbehörden über seine Tätigkeiten nicht informiert hat. Ulrich Meyer, Moderator von Akte (Sat.1) war während Recherchen zum Thema Kinderpornografie auch schonmal ins Visier der Fahnder geraten. Für eine Recherche wurde seine Kreditkarte zur Registration auf einem Portal mit kinderpornografischem Inhalt genutzt. Meyer hatte jedoch vorab die Behörden über seine Recherche informiert. Warum Tauss dies nicht getan hat, muss er erklären!

Sicher ist aber, dass die Unschuldsvermutung auch für Abgeordnete gilt: Unschuldig, bis die Schuld bewiesen wurde

Dennoch bleibt die Frage, inwiefern Abegordnete zu “privaten” Ermittlern werden können? Aber auch, wie in Zukunft mit brisanten Informationen umgegangen werden muss. Schließlich bekommen Abgeordnete häufige interne Informationen zugeschickt. 

Die Staatsanwaltschaft wird in dieser Sache ermitteln, bis dahin dürfen wir gespannt auf das Ergebnis warten!

cc photo credit: baranek

SKANDAL: Kindervideo bei Youtube!

24 Feb

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103725084 d13ffc7e20 t Vor ein paar Tagen sah ich es im Internet – und war durchaus amüsiert. Später sah ich es nochmal… in den Nachrichten! Man echauffierte sich darüber, dass Eltern ihre Kinder sorglos dem Hohn und Spott der Internetgemeinde auf Youtube und Co preisgeben.

Das Corpus Delicti

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Hm… es beschlich mich ein komisches Gefühl. Und beim zappen im TV erkannte ich auch warum. Dort sah ich eine dieser unaussprechlich langweiligen schickt-uns-eure-lustigsten-privat-Videos-und-wir-zeigen-sie-in-endlos-Wiederholungen-jahrzehntelang-im-TV-Shows. Komischerweise regt sich keine Nachrichtenredaktion über diese Videos auf. Obwohl  dort wirklich unlustige Dinge gezeigt werden…

Dabei wird doch jeder, der das Video vom kleinen David sieht nicht anfangen aus Schadenfreude zu lachen, sondern eher schmunzeln – weil jeder weiß wie sich der kleine David fühlt. Bei mir ist eher das Mitgefühlszentrum im Gehirn (wenn es das gibt…) angeregt, als das Zentrum für Hohn und Spott.

Musste ich mal loswerden, wo ich das Video zufällig wieder gesehen hab.

Liegt mir schon ein paar Tage auf dem Herzen, verstehe die Aufregung nicht……

cc  photo credit: Animaux

Verbalausfall: Wir konstruieren einen Kontext

20 Feb

Verbalausfall: Wir konstruieren einen Kontext

2484155139 2af081f8dc m “Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.”

Zitat von Philipp Mißfelder, MdB und Vorsitzender der Jungen Union und Mitglied im Präsidium der CDU. Am Montag wurde die Nachricht in der Online Ausgabe der Ruhr Nachrichten kaum beachtet. Auch am Dienstag in der Print-Ausgabe sorgte der Bericht nicht für große Aufregung. 

Die Ruhr Nachrichten schickten am Freitag dann doch die Nachricht über den Ticker und das Zitat erregt die Gemüter.

Es ist nicht der erste verbale Ausfall in Mißfeldes Karriere. 2003 erregte er Aufmerksamkeit mit der Aussage, dass er nichts davon halte 

“wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.”

Damals hatte der Jungpolitiker noch so etwas wie Welpenschutz und tourte aus Demut danach mit dem Vorsitzenden der Senioren Union durch die Lande. Doch heute sitzt er im Bundestag, ist nicht nur Vorsitzender der JU sondern auch Mitglied im Präsidium der CDU. Als Jungpolitiker kann man da nicht mehr gelten und sollte sich seiner Worte bewusst sein.

Mißfelders erneuter Verbalausfall entstand beim Frühschoppen des CDU-Ortsverbandes Haltern in Nordrhein-Westfalen. Er hielt dort eine längere Rede, in der eben auch der Satz fiel:

“Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.”

Es war einer von vielen, so wurde während der Veranstaltung auch nicht darüber diskutiert. Schließlich sollte Mißfelder über “Wege aus der Konjunkturkrise” sprechen. Daher kann seine Aussage nur auf die Erhöhung des Regelsatzes für Kinder zum 1. Juli gemünzt sein. Im Rahmen des Konjunkturpakets II hatte man sich darauf geeinigt, die Sätze für sechs- bis 13-jährige Kinder um rund 35 Euro pro Monat anzuheben.

Mißfeldet schert mit seiner Aussage alle über einen Kamm und schürt damit Vorurteile, die sicherlich auf einen Teil der Bezieher zutreffen mögen. Aber bei weitem nicht auf alle.

Man kann zu Hartz IV stehen wie man will, aber solch pauschalisierten Urteile kann man nicht dulden. Über Hartz IV diskutieren ist gewünscht, auch darüber wie grade Kinder aus Hartz IV Familien gefördert werden können. Aber bitte nicht auf diesem Niveau.

Ein Bundespolitiker der Vorurteile auf Stammtischniveau schürt muss auch zu dem stehen was er sagt. Wenn er sich in seiner Wortwahl vergriffen hat, muss er dies klarstellen und sich entschuldigen.

Sogleich hagelt es Kritik aus allen Ecken. Der Bundesvorstand der Arbeiterwohlfahrt Rainer Brückers bescheinigt Mißfelder

“eine völlige soziale Inkompetenz”

Der Landesverband NRW des Sozialverbands Deutschland erklärte, die Politik sei

“dringend gefordert, die Ursachen von Armut und Ausgrenzung zu bekämpfen, anstatt sozial benachteiligte Menschen zu diffamieren”.

Natürlich darf im Reigen der Kritiker die JUSO-Chefin Franziska Drohsel nicht fehlen:

„Alle ‘Hartz-IV’-Empfänger zu Alkoholikern und Nikotinsüchtigen zu erklären, zeigt deutlich Mißfelders fehlende soziale Kompetenz und sein mangelndes Verständnis für die Probleme der Menschen“

Doch anstatt sich für seine Wortwahl zu entschuldigen und diese zurückzunehmen, versucht Mißfelder das Thema zu relativieren und in einen Kontext zu bringen. 

„Viele ‘Hartz-IV’-Empfänger sind unverschuldet in Not gekommen. Ich will keine ‘Hartz-IV’-Empfänger diffamieren, sondern auf Missstände hinweisen“

Mißfelder würde den Satz auch nicht ständig wiederholen wollen.

„Es geht um den richtigen Zusammenhang und nicht um einen einzelnen Satz. Wir brauchen aber eine Diskussion über die Frage, wie mit sozialen Leistungen der Allgemeinheit von den Betroffenen umgegangen wird. Leider kommen sie häufig nicht zielgenau an“

Da scheint es doch sehr konstruiert, dass grade heute die Junge Union sich diesem Thema annimmt und eine Pressemitteilung mit dem Titel “Wohl der Kinder muss im Mittelpunkt der Debatte stehen!” veröffentlicht. Darin heißt es:

“Wir müssen dafür sorgen, dass insbesondere Kinder und Jugendliche in Hartz-IV-Familien wirksame Hilfe erfahren.”

Und weiter relativiert die Junge Union Deutschlands den Ausfall ihres Chefs in der Pressemitteilung:

“Diese Diskussion mag manchem unbequem sein, muss aber dringend geführt werden. 
 
Gutscheine für die Schulspeisung, Mitgliedschaften in Sportvereinen oder für Bildungsmaterial stellen eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Hartz-IV-Regelsätzen dar. Dies würde ganz klar einem Missbrauch von Transferleistungen vorbeugen und gleichzeitig dem Wohl der Kinder und Jugendlichen dienen. ”

Auch der Vrsitzende der JU Brandenburg springt seinem Parteifreund zur Seite und erklärt

“Philipp Mißfelder hat mit seiner überspritzten Äußerung eine wichtige Debatte angestoßen. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass eine Reihe von Eltern die ihnen vom Staat für die Versorgung ihrer Kinder zur Verfügung gestellten Mittel nicht sachgerecht verwenden.”

Und die JU NRW, der Landesverband von Mißfelder lässt verlautbaren

“Diskussion über Missbrauch von Sozialleistungen zu Lasten von Kindern muss geführt werden”

Mit seiner Aussage hat Mißfelder diese Diskussion jedoch unnötigt angeheizt. Man könnte nun der JU bescheinigen, dass sie diese Diskussion auf die Tagesordnung bringen wollte. Doch scheint dieser Zusammenhang eher konstruiert und ein Schnellschuss zu sein.

Das über die Wirkungsweise von Hartz IV diskutiert werden muss ist klar. So gibt es viele Probleme, wie z.B. das erst einmal die eigenen Sparguthaben aufgelöst werden müssen – obwohl diese vielleicht für den  Ruhestand gespart wurden. Oder eben auch darüber diskutiert werden, ob Hartz IV ein Anreiz ist einfach nicht arbeiten zu gehen – auch in einem gering bezahlten Job.

Aber diese Diskussion darf nicht auf dem Stammtischniveau eines Mißfelders geführt werden, sondern sachlich fundiert.

Es fehlt einigen Politikern an Rückgrat. Mißfelder hat seine Worte nicht zurückgenommen, sondern sie lediglich hinterher in einen Kontext eingeordnet. Die Pauschalisierung bleibt bestehen. Schade! 

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